Sauerstofftherapie

Bei vielen Erkrankungen mit vermindertem Sauerstoffgehalt des Blutes ist es sinnvoll, die Sauerstoffkonzentration des Blutes durch Anreicherung der Einatemluft mit Sauerstoff zu erhöhen.

Sauerstoff ist ein Medikament und darf nur auf ärztliche Anordnung verabreicht werden. Die ärztliche Anordnung umfasst die Verabreichungsform der Sauerstofftherapie, die Menge und die Dauer.

Wegen der Explosionsgefahr erfordert der Umgang mit reinem Sauerstoff besondere Sicherheitsvorkehrungen

Auf vielen Stationen ist Sauerstoff über eine Zentralversorgung (Wandanschlüsse in den Patientenzimmern) verfügbar. Die Alternative sind transportable Sauerstoffflaschen von 10 – 50 l Rauminhalt, die komprimierten Sauerstoff enthalten. Der Druck einer vollen Flasche liegt bei 150 – 200 bar. Der hohe Druck wird durch einen Druckminderer reguliert und ist an einem Manometer ablesbar. In beiden Fällen handelt es sich um reinen Sauerstoff (100%).

Sicherheitsmaßnahmen beim Umgang mit Sauerstoffflaschen

· Flaschen vor dem fallen schützen. Flaschen liegend oder stehend fixieren (z.B. anketten) und nicht in Treppenhäusern, Gängen, Fluchtwegen oder Patientenzimmern lagern

· Vorsicht vor Feuer! Rauchverbot! Sauerstoff selbst ist zwar nicht brennbar, fördert aber die Verbrennung. Nur in Räumen mit Fenster, nicht aber in explosionsgefährdeten Räumen oder unter Sonneneinstrahlung bzw. Wärmeeinwirkung lagern

· Vorsicht vor Fett!  Die Ventile dürfen nicht mit Fett oder Öl in Berührung kommen (Explosionsgefahr)

· Nur mit geschlossenem Ventil und befestigter Schutzkappe transportieren

· Beim Öffnen der Flaschen keine Gewalt anwenden

· Flaschen nicht im Patientenzimmer wechseln

· Flaschen immer betriebsbereit halten und vor jedem Gebrauch kontrollieren

· Volle und leere Flaschen getrennt aufbewahren

· In leeren Flaschen Restüberdruck von mindestens 0,5 bar belassen. Die Flaschen sind innen mit einer Folie ausgekleidet, die sonst zusammenfällt

· Bei Störungen Technischen Dienst rufen. Keine Selbstreparatur versuchen.

Berechnungsformel für den Inhalt von Sauerstoffflaschen (Restinhalt in Litern) Flaschenvolumen in Litern x angezeigtem Druck auf dem Manometer (in bar) = Vorrat in Litern (bei normalem atmosphärischen Druck von 1 bar)

Therapie:

· Da der Sauerstoff sowohl im zentralen Reservoir als auch in der Sauerstoffflasche trocken vorliegt, muss er zur Vermeidung von Schleimhautschäden immer mit destilliertem Wasser angefeuchtet werden.

· Streng aseptisches Arbeiten vermeidet Kontamination. So sind für jeden Patienten neue Schlauchsysteme zu verwenden und ist das Aqua dest. in den Gefäßen täglich auszuwechseln (Ausnahme: Einmalartikel wie AquaPack werden benutzt, bis sie leer sind) · Ab einer Dosierung von 6 l/Min. muss der Sauerstoff zusätzlich angewärmt werden, um Atemstörungen zu vermeiden

Verabreichungsformen

Nasensonde    Am häufigsten wird Sauerstoff über eine Nasensonde mit Schaumgummipolster verabreicht. Die Sonde wird ca. 1 cm in das Nasenloch vorgeschoben und ist durch das Schaumgummipolster fixiert. Über eine Nasensonde können bis zu 5 l /Min. gegeben werden, wodurch Sauerstoffkonzentrationen der Einatmungsluft von 30 – 40% erreicht werden. Allerdings rutscht die Sonde oft aus der Nase, und es treten häufig Reizungen der Nasenschleimhaut auf.

-Sauerstoffbrille    Mit Sauerstoffbrillen können bis zu 8 l /Min. gegeben werden (Sauerstoffkonzentration der Einatmungsluft 30 – 50%). Die 1 – 2 cm langen Einflussstutzen werden beidseits in die Nasenlöcher des Patienten eingeführt, die Schlaufen der Brille (sind gleichzeitig die zuführenden Schläuche) liegen wie Brillenbügel hinter den Ohren und werden unter dem Kinn wieder zusammengeführt. Der Patient kann durch Mund und Nase atmen. Da viele Patienten die Sauerstoffbrille als unangenehm empfinden und sie beim Sprechen und bei der Nahrungsaufnahme behindert, wird sie nur für kurze Zeiträume angewendet. Zudem führt die Brille bei längerem Liegen zu Druckstellen hinter den Ohren sowie in und unter der Nase.

-Sauerstoffmaske    Die einfache O2-Maske ermöglicht kurzzeitig eine hohe O2-Dosierung von 6 – 10 l/Min. Sie wird locker auf Nase und Mund aufgesetzt und mit einem Gummiband am Hinterkopf befestigt. Die Ausatmungsluft entweicht durch die seitlichen Löcher in der Maske. Viele Patienten haben Angst, sind verunsichert und fühlen sich eingeengt, da das Sprechen behindert und die Nahrungsaufnahme nicht möglich ist. Der Sauerstofffluss darf nicht unter 6 l/Min. absinken, da es ansonsten zu einem CO2-Stau in der Maske kommen kann. Sauerstoffkonzentrationen bis annähernd 100% sind nur durch O2-Masken zu erzielen. Überwachung des Patienten unter Sauerstofftherapie Patienten unter Sauerstofftherapie bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Krankenbeobachtung und -dokumentation erstrecken sich auf:

· Atmung

· Puls (Tachykardie?)

· Bewusstseinslage

· Haut (Zyanose? Druckstellen?)

· Nasen- und Mundschleimhaut

· Sauerstoffdosierung, Sondenlage und Aqua dest.-Menge.

Vorsicht !  Atemlähmung durch Sauerstoffgabe. Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen geboten. Ihr Körper hat sich an den ständig erhöhten CO2-Gehalt im Blut „gewöhnt“. Den einzigen Atemantrieb stellt der Sauerstoffmangel im Blut dar. Wird dieser nun durch die Sauerstofftherapie behoben, entfällt der letzte Atemanreiz. Dies kann zu einem extremen CO2-Anstieg und zur Atemlähmung („CO2-Narkose“) führen, die eine Intubation erfordert und, wenn sie nicht bemerkt wird, tödlich ist. Trübt ein Patient unter Sauerstofftherapie zunehmend ein, muss dies als Zeichen eines CO2-Anstiegs gewertet werden – O2 sofort abstellen und Arzt rufen!

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Cyberfussel

Veröffentlicht von

Bis 1989 Rettungsdienst (SMH) in Halle/Saale. In der Pflege seit 1990. 1995 Fachausbildung AI.

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