Ileuseinleitung

Eine „Ileus“-Einleitung ist mit erheblichen Risiken behaftet. Eine tatsächlich indizierte Ileuseinleitung sollte grundsätzlich von zwei Anästhesisten/Innen und einer Pflegekraft durchgeführt werden.

Indikationen

1. Unsichere Nüchternheit bzw. voller Magen (6h Nüchternheit)
2. Mechanischer / paralytischer Ileus
3. Peritonitis
4. Große abdominelle Raumforderung
5. Ausgeprägter Aszites
6. Obere gastro-intestinale Blutung (aus Ösophagusvarizen, Ulcus ventriculi/ duodeni oder Mallory-Weiss-S.)
7. Blutung aus dem Nasen-Rachen-Raum (z.B. nach Tonsillektomie)
8. Ösophagusstenose oder -tumor; Achalasie; Magentumor
9. Ösophagusdivertikel
10. Z. n. Gastrektomie
11. (Poly-)Trauma
12. Intoxikation
13. Koma
14. (Not-)Sectio, fortgeschrittene Schwangerschaft [ab 12. SSW] bis 2 Wochen post partum
15. Hiatushernien (Ösophagus-Gleithernien; paraösophageale Gleithernie
16. Adipositas permagna
17. Refluxösophagitis
18. Gastroparese (z.B. fortgeschrittener Diabetes mellitus)= keine Indikation, wenn elektiver Eingriff und Prophylaxe mit H2-Blockern bzw.Protonenpumpenhemmern durchgeführt wurde

Prophylaktische Maßnahmen:

Grundsätzlich gilt bei allen elektiv zu operierenden Risikopatienten eine rechtzeitige orale Gabe eines H2-Blockers als indiziert. Es ist eindeutig belegt, dass bei elektiven Eingriffen dieses H2-Blockade-Regime oder die entsprechende Anwendung von Protonenpumpenhemmern (z.B. Pantoprazol) die Magensaftsekretion reduziert und den pH-Wert des Magensaftes anhebt.

Durchführung:

1. gut laufender venöser Zugang. Ileuspatienten weisen meist eine ausgeprägte Hypovolämie auf und benötigen eine konsequente Infusionstherapie vor, während und nach der Narkoseeinleitung.
2. Magensonde: bei V.a. „vollen Magen“ Sonde bei wachen Patienten legen, Magen absaugen und Sonde entfernen. Bereits liegende Magensonde: Magen absaugen und Sonde entfernen
3. ca. 30° Oberkörperhochlagerung-Lagerung (gesamte Tischfläche neigen,nicht nur den Oberkörper!)
4. kräftigen Sauger in Betrieb nehmen
5. Präoxygenierung über dicht sitzende Maske ≥ 2 min, O2-Fluss 10 l/min
6. angemessene Dosis Sufentanil* i.v.
7. Thiopental, Propofol oder Etomidate zur Narkoseinduktion über ca. 15 Sekunden. Welches Medikament verwendet wird, hängt vom klinischen Allgemeinzustand und den Vorerkrankungen des Patienten ab. Die zu applizierende Dosis wird ebenfalls daran auszurichten sein. (Cave:Dosisanpassung insbesondere von Propofol bei hypovolämischen Patienten oder massiv reduziertem AZ !)
8. da Thiopental mit Rocuronium bzw. Succinylcholin inkompatibel ist (Ausfällung), werden unmittelbar nach Beendigung der Thiopentalapplikation 10 ml 0,9%iger NaCl-Lösung zügig nachinjiziert.
9. unmittelbar danach Muskelrelaxans rasch i.v. applizieren:Rocuronium 1,0 mg/kg KG**/*** oder nur in Ausnahmefällen: Succinylcholin 1,5 mg/kg KG:
a.) erwartete Intubationsschwierigkeiten (Hinweis: Die fiberoptische Wachintubation stellt eine Alternative bei nicht nüchternden Patienten mit zu erwartenden Intubationsschwierigkeiten dar
b.) kurzer Eingriff mit geplanter Extubation (z.B. Entfernung einer Fischgräte)
c.) (Not-)Sectio
10. die Ausübung eines Krikoiddrucks kann nach gegenwärtiger Literaturlage nicht mehr empfohlen werden (Steinmann D, Priebe HJ; Anaesthesist 2009 Jul;58(7):695-707)
11. etwa 60 Sekunden nach Beendigung der Rocuronium- bzw.Succinylcholinapplikation endotracheale Intubation mit Führungsstab (zu frühe Intubationsversuche führen eventuell zu Würgen und Aspiration)
12. Blocken des Cuffs
13. Nach Intubation: Tisch erst waagerecht stellen, wenn sicher ist, dass der Tubus endotracheal liegt
14. Mageninhalt über Magensonde erneut absaugen.
15. Falls keine Indikation zur Nachbeatmung: Extubation des wachen Patienten mit sicheren Schutzreflexen nach OP-Ende.

Intubation gelingt nicht:

Vorsichtige Maskenbeatmung
Hilfe holen
Erneuter Intubationsversuche durch erfahrene/n Anästhesistin/en bzw. Larynxmaske
Erweitertes Atemwegsmanagement/-instrumentarium

Komplikationen:

Erbrechen während der Einleitung

Kopftief-Lagerung
Erbrochenes absaugen
Rasche Intubation!
V.a. Aspiration während Einleitung Aspirat möglichst vollständig über Tubus absaugen.
Falls es von der O2-Sättigung vertretbar ist, sollte ein Absaugen über den Tubus noch vor der Beatmung erfolgen! Damit vermeidet man eventuell die Verteilung des Aspirats im Bronchialsystem.
Nicht mit NaCl 0,9% spülen.
Arterielle Blutgasanalyse als Ausgangsbefund Magensaft bzw. Mageninhalt gewinnen und pH bestimmen
Bronchoskopie vor allem dann, wenn möglicherweise feste Partikel aspiriert wurden.
Keine Kortikoide
Keine prophylaktische Antibiotikagabe
Keine prophylaktische Nachbeatmung, es sei denn es liegt bereits eine Oxygenierungstörung vor oder die Nachbeatmung ist aus anderen Gründen ohnehin indiziert.
Routinemäßige Opioidgabe vor Entwicklung des Kindes bei Sectio!

 

Quelle: Universitätsklinikum Halle/Saale – Universitätsklinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin

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Cyberfussel

Veröffentlicht von

Bis 1989 Rettungsdienst (SMH) in Halle/Saale. In der Pflege seit 1990. 1995 Fachausbildung AI.

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