Hyperoxietest-was ist das und wozu ist es gut?

Die Blutgasanalyse

  • pH
  • pO² 70-80 mmHg
  • pCO² 35-45 mmHg
  • SaO² < 90%

Korrekturformeln beachten

1. Alter:

pO² korrigiert = pO² gemessen – 1/3 x Lebensalter

Ein 66 Jahre alter Patient hat also unter Normalbedingungen ein pO2 von 100 – 1/3 x 66 = 100 – 22 = 78 mmHg
ALSO braucht ein älterer Patient kein pO2 von 90 mmHg, es reichen 75 -80 mmHg – Dies gilt beim spontan atmenden Patienten UND beim intubierten Patienten.

2. Hyperventilation

pO² korr. = pO²gemessen – 1,6 x ( 40 – pCO²gemessen)

Fühlt ein Patient Luftnot, atmet er schneller und flacher, das heißt Hyperventilation. Er atmet also gegen die Luftnot an. Besteht Luftnot wegen Sauerstoffmangel, kann der Patient durch Hyperventilation den pO² verbessern und erhöhen, dies ist jedoch mit mehr Atemarbeit verbunden und muss von dem gemessenen pO2-Wert abgezogen werden. Dabei sinkt natürlich der pCO² im selben Maße ab, wie vermehrt geatmet wird. Dies gilt NUR beim spontan atmenden Patienten

3. Woher kommen die Normwerte ?

Gasgesetz: Der Gesamtdruck eines Gasgemisches besteht aus der Summe der einzelnen Gasdrücke, aus denen das Gemisch besteht.
Partialdruck ist der Anteil eines Gases am Gesamtdruck des Gasgemisches
Luft ist ein Gasgemisch: sie besteht aus 70% Stickstoff, 21% Sauerstoff, der Rest ist Kohlendioxid und Edelgase
Die Luft hat also einen Gesamtgasdruck oder Luftdruck, er beträgt auf Meereshöhe 760 mmHg
Der Luftdruck ist von der Höhe abhängig, auf der man sich befindet: auf Meereshöhe 760 mmHg, auf dem Mount Everest 250 mmHg.
Dementsprechend berechnen sich auch die Partialdrücke, da sie prozentual immer gleich sind, also ein bestimmter immer gleicher Bruchteil vom Gesamt-Luftdruck sind.
Wenn also auf Meereshöhe 760 mmHg Luftdruck herrschen, dann beträgt der Anteil an Sauerstoff 21% von 760 mmHg, also 160 mmHg, dagegen gibt es auf dem Mount Everest 21% von 250 mmHg, also 52 mmHg.
Im Körper wird die Luft mit Wasserdampf angereichert, da man sonst austrocknen würde. Diesen Wasserdampf, der ca. 47 mmHg Druck aufweist, muss man vom Gesamtluftdruck abrechnen
Damit herrschen im Körper in der Alveole, wo sich das Luft-Wasserdampf-Gemisch einfindet, auf Meereshöhe (760 – 47 mmHg) x 21% = 150 mmHg. Partialdruck. Dagegen herrscht auf dem Mount Everest mit (250 mmHg – 47 mmHg) x 21% nur 43 mmHg Partialdruck. Daher kann man den Mount Everest ohne Sauerstoffgerät nicht besteigen: Man bekommt keine Luft bzw. keinen Sauerstoff.
In der Alveole befindet sich jedoch auch das abgeatmete Kohlendioxid, das sich mit dem Luft-Wasserdampf-Gemisch vermengt: das Kohlendioxid hat einen Druck von 40 mmHg, den man natürlich vom errechneten Sauerstoff-Partialdruck abziehen muss. Damit ergibt sich ein Gesamtwert von 150mmHg – 40mmHg = 110 mmHg Sauerstoffdruck in der Alveole.
Durch Hyperventilieren kann man mehr Kohlendioxid abatmen, d. h. die 40 mmHg können vermindert werden und der Sauerstoffanteil damit gesteigert werden. Daher hyperventiliert man, wenn der Sauerstoff knapp wird.
Jetzt muss der Sauerstoff ja ins Blutgefäß, also die Arterie, gelangen: das geschieht durch Diffusion, d. h. der Sauerstoff zwängt sich durch die schmale Wand zwischen Alveole und Blutgefäß und gelangt ins Blut, so er auch gemessen werden kann.
Jetzt sind zwar 110 mmHg Sauerstoff-Partialdruck in der Alveole, jedoch sind immer einige Alveolen nicht belüftet, weil man zuviel raucht, zulange irgendwo rumliegt oder es sonst welche physiologischen Atelektasen, also zusammengequetschte Atelektasen als Normalbefund, gibt. Damit und mit Sauerstoff-Durchzwäng-Schwierigkeiten in der Membran zwischen Alveole und Blutgefäß verliert man noch mal ca. 10-20 mmHg. Deshalb ist der Normwert im arteriellen Blut für den O2-Partialdruck 70-90 mmHg.

4. Wie funktioniert der Hyperoxietest ?

Wir lassen den Patienten 20 Minuten mit 100% Sauerstoff atmen: dadurch wird der Stickstoff weggeatmet, dann machen wir eine BGA
Wenn wir jetzt das Luftgemisch in der Lunge anschauen, muss ja ausschließlich Sauerstoff in die Lunge reinkommen, also sind der Gesamtluftdruck und der Sauerstoffpartialdruck jetzt gleich. Natürlich abzüglich des abgeatmeten Kohlendioxids in der Alveole und des Wasserdampfes.
Der Gesamtluftdruck bleibt ja gleich, also 760 mmHg auf Meereshöhe und 250 mmHg auf dem Mount Everest:
Also ist der Sauerstoffpartialdruck bei 100% Sauerstoff auf Meereshöhe 760 mmHg – 47 mmHg Wasserdampf -40 mmHg Kohlendioxid in der Alveole = 660 mmHg maximal.
Auf dem Mont Everest ist der Sauerstoff-Partialdruck bei 100% Sauerstoff 250 mmHg – 47 mmHg Wasserdampf – 40 mmHg Kohlendioxid in der Alveole = 150 mmHg.

5. Was sagt das jetzt aus ?

Der Gasaustausch funktioniert nur, wenn zum einen Luft in die Alveole kommt und zum anderen die Alveole durchblutet wird.
Besteht eine Lungenentzündung, kommt es irgendwo zu einem Infiltrat: das sind kollabierte Lungenanteile voller Schleim und Schmodder. Da kommt keine Luft rein, sie werden aber trotzdem durchblutet: es kann kein Gasaustausch stattfinden: das heißt Rechts-Links-Shunt: venöses Blut kommt in die Arterie, ohne Sauerstoff zu bekommen. Das verschlechtert natürlich dem erreichbaren Wert beim Hyperoxietest.
Je größer das Infiltrat ist, desto weniger Alveolen stehen zum Gasaustausch zur Verfügung. Und desto niedriger ist also der erreichbare Sauerstoffpartialdruck im arteriellen Blut.
Heilt ein Infiltrat ab, gibt es mehr und mehr offene Alveolen, daher steigt bei Abheilung der Sauerstoffpartialdruck immer mehr an, bis er wieder normal ist:
Man kann also den Heilungserfolg messen !!!
Natürlich gilt das Gesagte auch für Krankheiten, bei denen Alveolen verschwinden, z. B. Lungenemphysem. Damit ist der Test ein Maß für die Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Lunge

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Cyberfussel

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Bis 1989 Rettungsdienst (SMH) in Halle/Saale. In der Pflege seit 1990. 1995 Fachausbildung AI.

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