Venöse Sauerstoffsättigung

Venöse Sauerstoffsättigung

Die Sauerstoffsättigung bezeichnet den prozentualen Anteil des mit Sauerstoff gesättigten Hämoglobins am Gesamthämoglobin des Blutes.

Gemischtvenöse oder zentralvenöse Sättigung?

  • Zur Bestimmung der gemischtvenösen Sättigung ist das Einschwemmen eines Pulmonalarterienkatheters notwendig, dessen Gebrauch im letzten Jahrzehnt deutlich zurückgegangen ist.
  • Dagegen wird bei schwer kranken Patienten zur Messung des zentralvenösen Druckes und zur Verabreichung kreislaufwirksamer oder hochkonzentrierter Substanzen in der Regel ein zentralvenöser Katheter platziert. Damit ist die Bestimmung der über den ZVK gewonnenen zentralvenösen Sättigung unproblematisch und bietet sich als einfache und weniger risikohafte Alternative an.
  • Inwieweit die gemischtvenöse und die zentralvenöse Sättigung als äquivalent anzusehen sind ist Gegenstand zahlreicher Studien und Diskussionen gewesen.

Physiologische Unterschiede

  • Üblicherweise wird ein ZVK mit der Katheterspitze in der V.cava superior platziert. Eine hier gezogene Probe reflektiert demnach die Sauerstoffsättigung des venösen Mischbluts aus der oberen Körperhälfte unter Vernachlässigung der unteren. Normalerweise ist aufgrund des hohen Sauerstoffverbrauchs des Gehirns und dem bei relativ hoher Organperfusion niedrigen Sauerstoffverbrauch von Niere und Leber die Sauerstoffsättigung in der V. cava superior niedriger als in der V. cava inferior.
  • Damit liegt unter physiologischen Bedingungen die zentralvenöse Sättigung ca. 2 – 3 % niedriger als die gemischtvenöse.
  • Bei Fehllage des ZVK in einem peripheren Gefäß erhält man eine falsch hohe zentralvenöse Sättigung.
  • Liegt der ZVK im rechten Vorhof in der Nähe des Sinus coronarius, erhält man aufgrund der starken Sauerstoffextraktion im Koronarkreislauf eine falsch niedrige zentralvenöse Sättigung.

Studienlage

Gemischtvenöse und zentralvenöse Sättigung unterscheiden sich im Mittel um 5 – 8%, wobei größere Abweichungen möglich sind. Diese Diskrepanz wird in den Studien unterschiedlich bewertet.
Es zeigt sich jedoch ein gleichsinniges Verhalten beider Sättigungswerte.
Auch wenn die Absolutwerte differieren, bedeutet eine sinkende zentralvenöse Sättigung einen Abfall der gemischtvenösen Sättigung.

Besonderheiten der zentralvenösen Sättigung beim kritisch kranken Patient

  • Eine niedrige zentralvenöse Sättigung weist auf eine wesentlich niedrigere gemischtvenöse Sättigung hin.
  • Im Trend verhalten sich zentralvenöse und gemischtvenöse Sättigung gleichsinnig.
  • Eine zentralvenöse Sättigung unter 65 – 70 % kann Zeichen einer drohenden Gewebshypoxie sein.

Klinische Anwendung der venösen Sauerstoffsättigung

Sepsis und septischer Schock

Möglichst frühzeitig eine zentralvenöse Sättigung von über 70% oder eine gemischtvenöse Sättigung von über 65% anstreben; Reduktion der Letalitätsrate um ca. 15%.

Polytrauma

Sind MAP, HF und ZVD stabilisiert, weist eine zentralvenöse Sättigung von unter 65% möglicherweise auf weitere Blutungsquellen oder eine kardiale Dysfunktion hin.

Kardialer Patient und Reanimation

Der herzinsuffiziente Patient kann bei erhöhtem Sauerstoffbedarf sein Herzzeitvolumen nicht adäquat anpassen, sondern reagiert mit einer erhöhten Sauerstoffextraktion.
Die venöse Sauerstoffsättigung eignet sich bei diesen Patienten gut um die kardiale Funktion abzuschätzen.
Eine zentralvenöse Sättigung von unter 60% ist dabei mit Herzversagen oder Schockzuständen assoziiert.
Während eines Herz-Kreislauf-Stillstandes kommt es zu einer maximaler Entsättigung des Blutes mit einer zentralvenösen Sättigung von unter 20%. Bei erfolgreicher CPR steigt sie wieder auf über 40%.

Therapiesteuerung mit der venösen Sauerstoffsättigung

Die Interpretation der Sauerstoffsättigung muss immer auf den einzelnen Patienten bezogen werden. Kritisch zu bewerten ist eine gemischtvenöse Sättigung von unter 65%.
Bei einer zentralvenösen Sättigung sollte man bei Werten von unter 70% aufmerksam werden.
Ferner kann die venöse Sauerstoffsättigung allein keine sichere Aussage über die Qualität der Gewebeoxygenierung machen, sondern muss im Zusammenhang mit den anderen Parametern der Sauerstoffbilanz interpretiert werden (Laktat, Sauerstoffangebot, Organfunktionen, Diurese).
Bestätigt sich eine niedrige venöse Sauerstoffsättigung optimiert man sämtliche Determinanten:

  • Verbesserung der Oxygenierung
  • Evtl. Sauerstoffverbrauch reduzieren durch Vertiefung der Sedierung oder Anstreben einer Normothermie
  • Verbesserung des HZV durch Optimierung der Volumensituation, Anhebung des MAP mit Vasopressoren und Gabe von Inotropika.
  • Optimierung der Hämoglobinkonzentration durch Transfusion

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