Ertrinkungunfälle

Ertrinkungsunfälle

Definition

Für den Vorgang des Ertrinkens sind 2 Begriffe von Bedeutung

  • Submersion bedeutet, dass der Körper einschließlich Kopf für eine gewisse Zeit vollständig unter Wasser, das heißt von Wasser bedeckt ist (Untertauchen).
  • Immersion beschreibt einen Körper, der sich im Wasser befindet, ohne vollständig untergetaucht zu sein(Eintauchen).Als ertrunken gilt ein Mensch, der einen Herzstillstand durch einen Submersions- oder Immersionsschock erfährt und dessen Atmung im Wasser versagt.

Pathophysiologie

  • Exakte Mechanismen des Ertrinkens sind nach wie vor unklar.
  • Einfluss der Hypoxie: Die initiale Hypoxie wird durch eine Apnoe verursacht, dadurch kommt es zu einer akuten Schädigung des Lungengewebes mit Unterbrechung des Surfactantfilmes und damit zum Alveolarkollaps, Atelektasen und einer intrapulmonalen Shunt-Bildung.
  • Aspiration von Flüssigkeit: Ertrinken in Süß- oder Salzwasser verursachen Veränderungen im Elektrolythaushalt. Hypo- und hypertone Salzlösungen verursachen einen Anstieg oder Abfall des Natriumspiegels, dieser liegt jedoch nicht im Bereich einer klinisch relevanten Größenordnung (durch Studien belegt). Im Vordergrund stehen hier auch die oben genannten intrapulmonalen Veränderungen.
  • Hypothermie: Eine Hypothermie ist mit einer schlechteren Prognose verbunden, weil es bedeutet, dass sich die betreffende Person schon längere Zeit im oder unter Wasser befunden hat. Paradoxerweise haben Ertrinkungsunfälle im kalten Wasser oft – und besonders bei Kindern – eine bessere Prognose. In kaltem Milieu hat eine schnell eintretende Hypothermie einen protektiven Effekt für das ZNS, bevor es zu hypoxischen Schädigungen kommt.
  • Wasserqualität: Ertrinken in Fluss- oder Seewasser geht mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher. Ventilations- und Perfusionsstörungen sind beim Ertrinken in Trinkwasser schwerer zu beheben.

Therapie

  • Unterbrechen der Hypoxie: Die CPR wird häufig bereits von Ersthelfern durchgeführt. Bei einer Ventilationsstörung sollte der Patient unverzüglich intubiert werden, um eine Hypoxämie, respiratorische und metabolische Störungen zu behandeln. Eine ständige Pulsoxymetrie und BGA ist erforderlich um der Schweregrad der pulmonalen Störung zu überwachen, so kann ein niedriger pO2 auf ein Lungenödem, Atelektasen oder intrapulmonale Shunts hinweisen.
  • Stabilisierung der Herz-Kreislauf-Funktion: Zur Verbesserung der Hämodynamik ausreichende Volumensubstitution, vasoaktive Substanzen und Defibrillation sprechen bei einer Körpertemperatur < 30° nicht an, deshalb CPR bis Normothermie erreicht ist.
  • Erwärmung oder Verhindern weiterer Auskühlung: Grundsätzlich sollte umgehend mit Maßnahmen zu Erhöhung der Körpertemperatur begonnen werden. Das bei einem Temperaturabfall eintretende Muskelzittern erhöht den Sauerstoff- und Energieverbrauch. Ab einer Temperatur von 30° hört das Muskelzittern auf, Sauerstoff- und Energieverbrauch sinken. Das Risiko für Bradykardie, Asystolie und Kammerflimmern steigt jedoch. Die Erwärmung kann durch vorgewärmte Infusionen, Beatmung mit erwärmter Luft, Wärmedecken (Warm touch) erfolgen.

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