Herzglykoside

Herzglykoside (Digitalis)

Aus verschiedenen Pflanzen lassen sich zuckerhaltige Verbindungen (Glykoside) mit einem Steroidring gewinnen, die die Kontraktionskraft von Herzmuskulatur steigern:
herzwirksame Glykoside, Cardiosteroide oder „Digitalis“.
Wird die kraftsteigernde therapeutische Dosis nur wenig überschritten, kommt es zu Vergiftungserscheinungen wie Arrhythmie und Kontraktur.
Die geringe therapeutische Breite erklärt sich aus der Wirkungsweise.

  • Herzglykoside binden sich von außen an die Na+/K+-ATPasen der Herzmuskelzellen und hemmen deren Enzymaktivität.
  • Die Na+/K+-ATPasen sollen in die Zelle eingedrungenes Na+ herauspumpen und aus der Zelle ausgetretenes K+ zurücktransportieren.
  • Sie bewahren so den transmembranösen Konzentrationsgradienten für K+ und Na+, das negative Ruhemembranpotential und die normale elektrische Erregbarkeit der Zellmembran.
  • Wird ein Teil der Na+/K+-ATPasen von Herzglykosiden besetzt und gehemmt, können die unbesetzten Enzyme durch Steigerung ihrer Aktivität den Na+– und K+-Transport aufrechterhalten.
  • Stimulus dazu ist eine Erhöhung der intrazellulären Na+-Konzentration (normal ca. 7 mM) um wenige mM.
  • Zugleich steigt die systolisch freigesetzte Ca2+-Menge (Kopplungs-Ca2+) und damit die Kontraktionskraft.

 Die Ursache dafür ist:

  • Durch die intrazelluläre Na+-Zunahme sinkt der Na+-Konzentrationsgradient für den Na+/Ca2+-Austausch, dadurch steigt der intrazelluläre Ca2+-Gehalt.
  • Sind zu viele Na+/K+-ATPasen blockiert, entgleist die Na+– und K+-Homöostase, das Membranpotential sinkt und Arrhythmien entstehen.
  • Die Überflutung mit Ca2+ verhindert die Erschlaffung während der Diastole, Folge ist ein Herzstillstand während der Diastole.
  • Ebenfalls auf der Bindung an Na+/K+-ATPasen beruhen die Wirkungen der Herzglykoside im ZNS. Durch die Erregung des N. vagus nehmen Herzfrequenz und Geschwindigkeit der atrioventrikulären Überleitung ab.
  • Eine Erregung der Area postrema führt zu Übelkeit und Erbrechen. Farbsehstörungen lassen sich nachweisen.

Primäre Wirkungen auf das Herz

  • Die direkte Wirkung auf das Herz ist der eigentliche therapeutische Effekt der Herzglykoside.
  • Die Stärke ihres positiv inotropen Effektes ist davon abhängig, welche Kontraktionsamplitude der Herzmuskel vor Zusatz des Glykosids aufwies. Ein gut kontrahierender Muskel kann seine Kontraktionsamplitude prozentual weniger steigern als ein Muskel, der primär eine verminderte Kontraktionskraft aufweist.

Das insuffiziente Herz wird folgendermaßen beeinflusst:

  • Kontraktionskraft und -geschwindigkeit nehmen zu, die Herzkammern werden besser entleert. Die Herzgröße und das diastolische Restvolumen nehmen ab. Die venöse Blutmenge, die in jeder Diastole aufgenommen wird steigt an, dadurch sinkt der Venendruck.
  • Bei einem herzinsuffizienten Patienten trägt auch die Verbesserung der Kreislauf-Situation zur Herzfrequenzreduktion bei.

 Systemische Auswirkungen

  • Durch die Verbesserung der Pumpkraft setzt eine Wasserausschwemmung ein mit einer Abnahme der Ödeme.
  • Die Dyspnoe wird vermindert sowie der venösen Stauungserscheinungen

Indikationen

  • Chronische Herzinsuffizienz
  • Entdehnung des Vorhofs, falls eine Myokardinsuffizienz vorliegt
  • Linksherzinsuffizienz mit vorwiegend systolischer Dysfunktion
  • Vorhofflimmern
  • Abnahme des Membranwiderstandes der Vorhofzellen und Zunahme der K+-Permeabilität, damit Erhöhung der Flimmerschwelle
  • Erhöhung des vagalen Tonus mit Verzögerung der Überleitung im AV-Knoten

 Kontraindikation

  • Aortenklappeninsuffizienz
  • Die Anwendung von Herzglykosiden kann zu einer Verschlechterung der hämodynamischen Situation führen, weil aufgrund der bradykarden Wirkung in der verlängerten Diastole vermehrt Blut in die Kammer zurückfließt.
  • Herzinsuffizienz mit Bradykardie
  • Bei vorbestehender Bradykardie kann durch die Anwendung von Herzglykosiden die Frequenz noch weiter abnehmen und einen kritischer Wert erreichen, so dass notwendige HZV für die Organdurchblutung nicht mehr aufrechterhalten werden kann.
  • Rhythmusstörungen
  • Sinus-Bradykardie, AV-Block, WPW-Syndrom
  • Elektrolytentgleisungen
  • Hyper- und Hypokaliämie, Hyperkalziämie

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Mehr in Medikamente / Pharmakologie
B-Blocker

β-Blocker (β-Sympatholytika) Wirkungsweise: β-Blocker sind Antagonisten von Noradrenalin und Adrenalin an den β-Adrenorezeptoren, sie besitzen keine Affinität zu den α-Rezeptoren....

Schließen