Vernakalant

Vernakalant (Handelsname „Brinavess“)

  • Neu zugelassenes Antiarrhythmikum für die Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern.
  • Die Zulassung stützt sich auf Ergebnisse von vier klinischen Studien, darunter drei randomisierte placebokontrollierte Studien und ein direkter Vergleich mit Amiodaron.
  • Beteiligt an diesen Studien waren Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern von relativ kurzer Dauer (wenige Stunden bis maximal sieben Tage), bei denen eine rasche Konversion wünschenswert erschien.
  • In der AVRO-Studie ist Vernakalant im direkten Vergleich mit Amiodaron geprüft worden.
  • Insgesamt 232 Patienten, darunter viele mit struktureller Herzerkrankung, sind randomisiert einer intravenösen Therapie mit Vernakalant oder Amiodaron zugeteilt worden.
  • Primäres Erfolgskriterium:
    Konversion in den Sinusrhythmus 90 Min. nach Therapiebeginn
  • Ergebnisse:
    Bei 51,7% aller Patienten stellte sich unter Vernakalant wieder ein Sinusrhythmus ein.
  • In der Amiodaron-Gruppe war die entsprechende Erfolgsquote mit nur 5,2% signifikant niedriger.
  • Vernakalant ist ein gemischter Natrium/Kalium-Kanal-Blocker und gehört damit zu den Multikanalblockern mit relativ selektiver Wirkung auf die Vorhöfe des Herzens.
  • Der neue Wirkstoff gehört zur Gruppe der ARDAs (Atrial repolarization-delaying agents).
  • Vernakalant wird intravenös zur Kardioversion bei Patienten mit akutem Vorhofflimmern eingesetzt.
  • In klinischen Phase-III-Studien war Vernakalant bei Patienten mit akutem Vorhofflimmern gut wirksam, nicht hingegen bei länger anhaltendem Vorhofflimmern (>7 Tage).
  • Einen Vorteil von Vernakalant in der künftigen antiarrhythmischen Therapie besteht darin, dass bei dieser medikamentösen Konversion von Vorhofflimmern auf die bei Elektrokardioversionen notwendige Sedierung und Anästhesie verzichtet werden kann.

Wirkungsmechanismus

  • Wie andere Klasse III Antiarrhythmika blockiert Vernakalant die atrialen Kaliumkanäle, dadurch erfolgt eine Verlängerung der Repolarisation (verlängerte Refraktärzeit des Vorhofs).
  • Antiarrhythmika, die nur an derartigen Proteinen aktiv sind, werden als atrial selektive Antiarrhythmika bezeichnet.
  • Ionenströme wie der „ultrarapid delayed-rectifier“ (IKur) und der Acetylcholin regulierte Ionenstrom (IKAch) sind beinahe ausschließlich im Vorhofmyokard vorhanden.
  • Die Substanz blockiert außer Natriumkanälen insbesondere Kaliumkanäle, („ultrarapid delayed-rectifier“ (IKur)), mit einer Selektivität für atriale Ionenkanäle.
  • Die Bindungskinetik von Vernakalant am Natriumkanal ist sehr schnell und gleicht dem des Lidocains, dadurch verzögert Vernakalant die Überleitungsgeschwindigkeit im Vorhof und verlängert die Refraktärzeit, wodurch der Sinusrhythmus wieder hergestellt werden kann.
  • Die QT-Zeit und die Refraktärzeit des Ventrikels wird nicht beeinflusst
  • Weiter zeigt Vernakalant eine Frequenzabhängigkeit seiner Wirkung auf den Natriumkanal, dies bedeutet, dass bei höherer Herzfrequenz von einer stärkeren natriumantagonistischen Wirkung als bei Normfrequenz ausgegangen werden kann.
  • Die Substanz wirkt nicht negativ inotrop.
  • Relevante QT-Verlängerungen oder Torsade de pointes treten nicht auf.
  • Seine Halbwertszeit ist mit 2 bis 3 Stunden kurz.
  • Offenbar wird Vernakalant gut vertragen und hat eine reduzierte proarrhythmogene Potenz, wodurch es sich von anderen Antiarrhythmika abhebt.

 Indikation:

  • Neu aufgetretenes symptomatisches Vorhofflimmern bis zu 7 Tagen Dauer konvertiert Vernakalant den Rhythmus in den Sinusrhythmus in etwa 50%.
  • Auch bei Vorhofflimmern oder -flattern nach chirurgischem koronarem Bypass und/oder Klappenoperation vermag Vernakalant den Herzrhythmus in einen Sinusrhythmus zu konvertieren.

 Kontraindikation:

  • Schwere Aortenstenose
  • Herzinsuffizienz (NYHA Klasse III und IV)
  • Verlängerter QT-Zeit (>440 ms)
  • Bradykardie, AV-Block II und III
  • Akutes Koronarsyndrom < 30 Tage

 Dosierung:

  • 3 mg/kgKG i.v. (max. 339 mg) über 10 Min.
  • Kommt es innerhalb von 15 Min. nicht zur Konversion, kann eine zweite Infusion mit 2 mg/kgKG (max. 226 mg) verabreicht werden.
  • Bei eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion oder bei älteren Patienten ist keine Dosisanpassung nötig.
  • Sprechen die Patienten auf Vernakalant nicht an, kann eine elektrische Kardioversion erwogen werden.

 Nebenwirkungen:

  • Hypotonie kann in geringem Ausmaß auftreten, sie tritt typischerweise früh, entweder während der Infusion oder kurz nach Ende der Infusion auf, und kann in der Regel durch die üblichen unterstützenden Maßnahmen korrigiert werden. 8%
  • Dysgeusie (Geschmacksstörungen, vor allem metallischer Geschmack) 20%
  • Niesen 15%
  • Parästhesie 10%

Die Patienten sollten zur Beurteilung der Vitalfunktionen kontinuierlich überwacht werden, bis sich klinische und EKG-Parameter stabilisiert haben.

Derzeit befindet sich auch eine orale Formulierung von Vernakalant in der klinischen Entwicklung.

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