Verabreichen intravenöser Medikamente

Intravenöse Infusion
Unter intravenöser Infusion versteht man das langsame Einfließen von Flüssigkeitsmengen – auch arzneimittelhaltig – in eine Vene, unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes gemeint (parenteral).

Intravenöse Injektion
Eine Injektion ist eine Applikation von gelösten oder suspendierten Arzneimitteln durch eine Hohlnadel oder einen liegenden Katheter direkt in den Blutkreislauf.

Bei Flüssigkeitsmengen von 0,1 – 20 ml spricht man von einer Injektion, über 20 ml spricht man von einer Infusion.

Infusionen sind Arzneimittel – und Flüssigkeitsgaben in das Gefäßsystem des Patienten. Sie gehören in das
Aufgabengebiet des Arztes. Die Delegation an Pflegekräfte darf unter Einhaltung von bestimmten Vorgaben erfolgen.

Jede Vermischung von Fertigarzneimitteln ist aus juristischer als Herstellung eines neuen Arzneimittels zu betrachten. Dazu bedarf es nach einer Erlaubnis. Ohne Erlaubnis dürfen dies nur Apotheker, Krankenhausapotheker und Tierärzte. Ebenso ausgenommen von der Erlaubnispflicht sind Mischungen im stationären Bereich, die vom Hersteller auch sofort angewandt werden. Siehe Arzneimittelgesetz.

Die Infusionstherapie ist eine medizinische Maßnahme und obliegt dem Arzt. Der Arzt verordnet und trägt die Verantwortung. Er kann die praktische Durchführung an das Pflegepersonal delegieren.
Voraussetzungen für die Delegation ist dass die Pflegekraft in der Lage sein muss, aufgrund ihrer Ausbildung diese Tätigkeit auszuführen. Andererseits darf die Tätigkeit nicht ausschließlich ärztliches Handeln erfordern.

Durch spezielle Ausbildung können Pflegepersonen Durchführungskompetenz erwerben für:
• Anschließen von Infusionen an Katheter, periphere Verweilkanüle,
• Injektionen von Medikamenten in venösen Zugänge
• Blutentnahmen

Bei der Ausführung einer Anordnung trägt allein die Pflegekraft die Durchführungsverantwortung.
Sollte die Pflegekraft im Zweifel sein, ob die Anordnung korrekt ist, muss sie eine Präzisierung einfordern. Ansonsten darf sie auf die Richtigkeit vertrauen und diese Maßnahmen durchführen, wenn eine ärztliche Anordnung vorliegt. der Patient eingewilligt hat und die Pflegeperson es verantworten kann.
Nach schriftlicher Verordnung können Pflegepersonen gemäß ihrer Handlungskompetenz Durchführungsverantwortung für die Vorbereitung von Infusionslösungen, die Zugabe von Medikamenten zur Infusion, das Auswechseln von Medikamenten, das Erneuern der Infusionssysteme und die Überwachung und Steuerung des Infusionsablaufes übernehmen. 

Die Pflegekraft haftet für Fehler, die bei der Durchführung erfolgen. Eine ärztlich delegierte Aufgabe kann und soll nur mit fachlich korrekter Begründung zurückgewiesen werden zum Beispiel i.v. Injektion auf „Normalstation“.

Intravenöse Injektionen direkt in das Gefäß ist eine ausschließlich ärztliche Aufgabe!
Intravenöse Injektionen in einen liegenden Katheter sind grundsätzlich ärztliche Tätigkeiten und gehören nicht zum Aufgabengebiet der Pflegenden, weil diese weder die notwendigen pharmakologischen Kenntnisse haben, noch bei unvorhersehbaren Reaktionen selbständig ein Gegenmittel verordnen und verabreichen dürfen.
Ausnahme: Intensivstationen, Anästhesie, Dialyse, Notaufnahme, Krankenschwester / -pfleger mit der Weiterbildung in der Anästhesie und Intensivpflege.

Ablauf intravenöse Injektion:
• Schriftliche Anordnung des Arztes
• Vorbereitung des Materials
• Vorbereitung des Patienten
• Durchführung
• Dokumentation
• Nachgehende Versorgung und Überwachung des Patienten

Grundsätzlich gilt für alle Maßnahmen an Patienten, die beruflich Pflegende eigenständig ausführen dürfen, die sogenannte DURCHFÜHRUNGSVERANTWORTUNG DES AUSFÜHRENDEN.

Auszubildende in der Pflege dürfen nur unter Aufsicht folgende Tätigkeiten übernehmen:
• Vorbereitung von Infusionslösungen
• Zugabe von Medikamenten zur Infusion
• Auswechseln von Medikamenten
• Erneuern der Infusionssysteme
• Überwachung und Steuerung des Infusionsablaufes

Die Verantwortung liegt bei der aufsichtsführenden Pflegeperson !

Der Verordnungsbogen muss enthalten:
• täglich modifizierte Infusionsmenge und Zeitraum
• Art der Infusionslösung
• Art und Menge der Zusatzlösungen
• Art der Applikationsform
• Keine Medikation nach Bedarf, genaue Angaben!
• Unterschrift des Arztes
-> Alles gut leserlich!!

Vorbereiten von Infusionen :
• Unmittelbar zuvor Arbeitsfläche desinfizieren
• Händedesinfektion
• Beim Richten von Infusionen Gummistopfen vor Zuspritzen von Medikamenten bzw. einstechen des Infusionssystems desinfizieren
• Infusionen möglichst immer erst unmittelbar vor Gebrauch vorbereiten
• Anhand dieser rechtlichen Vorgaben ergibt sich ein täglicher Theorie- und Praxiskonflikt

Vorbereiten von Infusionen:
• Infusionsspritzen nur einmal verwenden, da eine Kontamination des Spritzenkolbens beim Aufziehen unvermeidlich ist
• Herstellung von Mischinfusionen möglichst immer zentral in der Apotheke an steriler Werkbank durch spezialisiertes Personal
• Medikamente oder andere parenterale Zusätze zu Infusionslösungen immer aus Einzeldosis – Behältnissen entnehmen
• bei Mehrdosis – Behältnissen Mehrfachentnahmekanüle mit Luftfilter und Kontaminationsschutzhülle verwenden, mit Datum und Uhrzeit versehen
• Mehrdosis – Behältnis sofort verwerfen, wenn es zu einer Kontamination gekommen sein könnte

Das Infusionssystem:
Für Parallelinfusionen per Schwerkraft und kompatiblen Infusionspumpen wird das Infusionssystem mit Rückschlagventil eingesetzt. Mittels der Rollerklemme wird die Menge bzw. Tropfgeschwindigkeit der Flüssigkeit durch vorsichtiges Auf- bzw. Zudrehen geregelt.

Dabei gilt:
20 Tropfen pro Minute entsprechen 1ml
1 Tropfen pro Minute = 3ml / Std. (60 Tropfen)

Die „Fünf-R“-Regel Beachten !
• Richtiger Patient
• Richtiges Medikament (Wirkstoff – Handelsname®)
• Richtige Dosierung
• Richtige Applikationsform
• Richtiger Zeitpunkt

Vorbereiten von Medikamenten:
• aufgezogene Medikamentenspritzen immer kennzeichnen!
• nach dem Herrichten von Notfallmedikamenten die Spritzen mit einem sterilen Stöpsel verschließen. Inhalt/Datum/Uhrzeit auf der Spritze vermerken und nach spätestens 24 Stunden erneuern.

Beim Zuspritzen von Medikamenten oder bei Blutabnahme an 3-Wege Hähnen:
• Händedesinfektion / Handschuhe
• Zuspitzstelle desinfizieren, einwirken lassen
• nach Medikamentengabe Zuspritzstelle von evtl. Blut- bzw. Medikamentenresten mit Desinfektionsspray reinigen
• 3-Wege-Hahn mit neuem Verschlusskonus verschließen

Bei Applikation einzelner Kurzinfusionen wird nach Beendigung der Arzneimittelinfusion mit einer kompatiblen Lösung gespült und das System danach verworfen. Ein Nachspülen muss in jedem Fall erfolgen, da ansonsten ein Restvolumen von 12ml im Schlauch verbleibt.

Bei Applikation von mehreren Kurzinfusionen (KI) nacheinander kann dasselbe Infusionssystem verwendet werden. Das System muss in diesem Fall nicht nach jeder KI verworfen werden.

Um das Auftreten von Inkompatibilitäten zu vermeiden, muss die Kompatibilität der nacheinander laufenden Lösungen geprüft oder mit einer kompatiblen Infusionslösung zwischengespült werden.

Die Spüllösung muss mit dem bereits applizierten und dem danach zu applizierenden Arzneimittel kompatibel sein. Verwendet werden können die Lösungen, die als Trägerlösung z. B. zum Auflösen der jeweiligen Substanzen in der Gebrauchsinformation oder der Fachinformation von beiden Medikamenten genannt sind.
Die Vorbereitung von Infusionen und anderen venös verabreichten Medikamenten muss unter konsequent aseptischen Bedingungen erfolgen.
Äußerst geringe Kontaminationen können bei entsprechend empfänglichen Patienten zu schweren infektiösen Komplikationen führen
Zur Vermeidung einer Keimzahlvermehrung, sind Infusionen und Perfusorspritzen erst unmittelbar vor Gebrauch zu richten.

Beschriftung :
– Inhalt
– Datum
– Uhrzeit
– Handzeichen

Überwachung des Patienten:
• Zustand des Patienten: Angst, Unruhe. Übelkeit, Schwindel
• Hauterscheinungen: Rötung, Blässe, Exanthem, Schwellung/Ödem
• Vitalzeichen: Puls, Atmung, RR, Temperatur

Bei Beobachtung von Komplikationen Infusion sofort abbrechen und Arzt verständigen !

Antibiotikagabe;
• Da Antibiotika stark wirksame Medikamente sind, ist die Applikation nicht immer gefahrlos.
• Um einen ausreichenden Wirkspiegel zu erlangen, erfolgt die Antibiotikagabe meist systemisch.

Gefahren:
Anaphylaktischer Schock.
Lokale und systemische Gefäß- und Hautreizungen, bis hin zur Nekrosenbildung.
Unverträglichkeitsreaktionen, wie z.B.: Durchfall, Erbrechen, Schädigung des Gleichgewichtsorganes, Schwindel, Hautausschlag, Herz- Kreislauf-Beeinträchtigung.

Dokumentation:
Die genaue Durchführung der Dokumentation begründet sich durch folgende Punkte:
• um die Therapie und den Verlauf nachvollziehen zu können
• zur rechtlichen Absicherung

Vermeidung von Inkompatibilitäten
Bei Unsicherheit bezüglich der Wechselwirkung bestimmter Medikamente immer in der Apotheke nachfragen
Inkompatibilität bedeutet Unverträglichkeit, d.h. es laufen physikalisch-chemisch Reaktionen ab, wenn verschiedene Arzneimittel miteinander gemischt werden. Diese Reaktionen können von unterschiedlicher Natur sein und können die einzelnen Medikamente in ihrer Wirkung verändern.
Bei einer Inkompatibilität treten bereits vor Anwendung am Patienten nach dem Mischen von Arzneimitteln durch physikalisch-chemische Reaktionen Veränderungen auf, die das Arzneigemisch für die Verabreichung ungeeignet machen.

Je höher die Arzneistoffkonzentrationen sind und je länger die Kontaktzeit ist, desto höher ist das Risiko einer physikalisch-chemischen Inkompatibilität.

Zeichen für eine Inkompatibilität:
Ausfällungen, Ausflockungen
Auskristallisationen, Trübungen
Verfärbung, keine sichtbare Reaktion
Bildung von schwerlöslichen Salzen

Grund für die Reaktionen kann das Vermischen von Medikamenten sein, die unterschiedliche pH-Werte haben.

Folgen von Inkompatibilitäten und Gefahren für den Patienten: 
• Wirkstoffverlust
• Inaktivierung von Wirkstoffen
• Entstehung toxischer Produkte
• Veränderung der Pharmakokinetik
• Entstehung schwerlöslicher Salze
• Gewebereizungen
• Verstopfen von Kathetern und Blutgefäßen durch Ausfällungen (Mikroembolien)

Transfusionen:
Entsprechend den Richtlinien der Bundesärztekammer ist die Übertragung von Blut und Blutbestandteilen eine ärztliche Maßnahme, die nicht delegiert werden darf.

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Cyberfussel

Veröffentlicht von

Bis 1989 Rettungsdienst (SMH) in Halle/Saale. In der Pflege seit 1990. 1995 Fachausbildung AI.

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