Telemedizin

Telemedizin kann viele Arzttermine ersparen. Chronisch kranke Patienten werden fernüberwacht, was zusätzliche Sicherheit für die Betroffenen bedeutet.

Quelle: Südkurierbericht zur Telemedizin am Klinikum Friedrichshafen.

Einige ausgewählte Patienten aus  Friedrichshafen müssen seit einigen Monaten nicht mehr zu ihrem Hausarzt fahren, um sich ihren Gesundheitszustand kontrollieren zu lassen. Jeden Morgen stellt sich der Patient  zu Hause auf die Waage und misst den Blutdruck. Die Ergebnisse werden automatisch erfasst  (Derzeit wird dies mit 30 weiteren Patienten mit  kardialen Problemen getestet.)
Die digitale Waage wie auch der Blutdruckmesser sind via Bluetooth mit einer Set-Top-Box und dem Fernseher verbunden. Hier kann der eigene Gesundheitskanal die Werte abrufen oder mit der Fernbedienung können die hinterlegten Fragen beantworten werden.
All diese Informationen gelangen – datenschutzrechtlich einwandfrei – via Internet ins Klinikum Friedrichshafen, wo eine zuständige Pflegekraft jeden Vormittag an ihrem PC sofort sehen kann, bei welchem ihrer 30 fernbetreuten Patienten möglicherweise etwas nicht stimmt.
Bei Problemen gibt das System Alarm, und die Pflegekraft nimmt Kontakt mit dem betreffenden Patienten oder bei Bedarf mit seinem Hausarzt auf.

Seit November 2007 werden ausgewählte Herzinsuffizienz-Patienten telemedizinisch betreut. Motiva nennt sich das System, ein Gesundheitsprojekt in der T-City Friedrichshafen, das von der Deutschen Telekom und dem Kooperationspartner Klinikum getestet und seit Sommer 2008 regulär angewandt wird. Es ist eines von vielen Projekten in Deutschland, mit denen teilweise auch schon über viele Jahre Erfahrungen gesammelt werden. Rund 10 000 Patienten werden derzeit telemedizinisch fernbetreut.
Telemedizin bietet enorme Chancen. Für die Klinik und den Patienten. 
Ohne die bisher nötigen Kontrollbesuche bei seinem Hausarzt sieht er sofort, wenn seine Werte aus dem Ruder laufen.
Das System motiviert den Patienten, sich zu disziplinieren, seine Zielwerte einzuhalten. Dadurch kann er an die viel kürzere Leine genommen, also viel strenger überwacht werden.

Motiva checkt zudem nicht nur den täglichen Gesundheitszustand, sondern gibt auch zielgerichtete Ratschläge, wie der Patient seinen Blutdruck in Ordnung bringt oder drohende Risikosituationen vermeidet. Zusätzlich bietet das System mit fünf- bis achtminütigen Schulungsvideos zu Themen wie richtige Ernährung oder Sport auch Anleitung zur Selbsthilfe, wie der Patient eigenverantwortlich mit seiner Krankheit am besten umgeht.

„Seitdem ich Motiva nutze, habe ich auf jeden Fall viel mehr Lebensqualität“, – Aussage eines Patienten.Für ihn war es immer mit einem großen Aufwand und auch Stress verbunden, wegen ein paar Messungen lange Wege auf sich nehmen zu müssen. „Aber für mich ist diese Sicherheit sehr wichtig. Jetzt kann ich zu Hause bleiben und bin doch beruhigt, weil ich weiß, dass jemand auf mich aufpasst“, erklärt der 74-Jährige die Vorteile aus seiner Sicht. Er mag auf das System gar nicht mehr verzichten. Ins Krankenhaus ging er seit seiner Herzoperation im Jahr 2008 nur noch als Besucher, nicht als Patient.

Aber auch für die Ärzte bietet die Telemedizin Vorteile. Durch die höhere Kontrolldichte, Zuverlässigkeit und Versorgungsqualität können die Mediziner effektiver arbeiten, also mehr Patienten „automatisiert“ betreuen. Allein 800 000 Patienten mit Herzinsuffizienz gibt es in Deutschland. Gerade in ländlichen Gebieten, wo immer weniger Hausärzte immer mehr Patienten betreuen müssen, nimmt das Telemonitoring den Medizinern Arbeit ab.

Obwohl die permanente Überwachung über das Klinikum Friedrichshafen läuft, bleiben die Hausärzte für ihre Patienten verantwortlich. Freilich könnten sich auch die Hausärzte an das System anschließen lassen. „Aber bei zwei, drei Patienten lohnt es sich vom Aufwand her noch nicht, das System zu beherrschen“, erklärt der Chefarzt der Kardiologie Friedrichshafen und stellt klar: „Wir nehmen niemandem den Patienten weg, sondern verstehen uns als Berater oder Unterstützer.“

Die Telemedizin ist freilich auch für andere, vor allem chronische- und sogenannte Volkskrankheiten wie Asthma oder krankhaftes Übergewicht anwendbar. Am Klinikum Friedrichshafen ist die Visite via Internet für Patienten mit Bluthochdruck in Vorbereitung. Im benachbarten Ärztehaus wird ein Projekt für Diabetiker vorbereitet.

Man ist davon überzeugt, dass sich Telemedizin durchsetzen wird. „Durch die tägliche Kontrolle können Probleme frühzeitig erkannt und Klinikaufenthalte so weit wie möglich reduziert werden.“ Zudem gibt es durch die demografische Entwicklung immer mehr Senioren, die auch immer älter werden. „Mit Telemedizin können mehr Menschen besser versorgt werden.“ Aber: Sie unterstützt die ärztliche Leistung. Ersetzen kann sie sie nicht.

Motiva : Infos zu Motiva finden sie HIER

Quelle: http://www.suedkurier.de/news/panorama/leben-und-wissen/Visite-via-Internet;art761224,4686961

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Cyberfussel

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Bis 1989 Rettungsdienst (SMH) in Halle/Saale. In der Pflege seit 1990. 1995 Fachausbildung AI.

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