Tiergifte

Was sind Gifttiere?
Im Allgemeinen bezeichnet manTiere die Gift produzieren und es anwenden als Gifttiere. Zunächst kommen einem hier die Tiere in den Sinn, die ihr Gift mit Hilfe eines Stachels oder Zahns gezielt applizieren. Ihre Gifte stellen in der Regel komplexe Gemische  toxischer Peptide und Proteine dar. Aber es gibt auch die, die solche Werkzeuge nicht besitzen, aber dafür Gift ausscheiden. Schließlich speichern manche Tiere Gift in ihrem Körper, das z.B. mit der Nahrung aufgenommen werden kann. In diesen Fällen handelt es sich um kleinmolekulare Stoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften, wie Aminen, Alkaloiden, Terpenen usw. Häufig sind dies völlig neuartige und komplizierte Verbindungen, die als Sekundärmetabolite bezeichnet werden.

Gifttiere lassen sich grob in 2 Gruppen einteilen:

1. aktiv giftige.
2. passiv giftige Tiere.
 
1. Aktiv giftige Tiere

Sie produzieren in speziellen Geweben und Organen Gifte und applizieren diese mit Hilfe von „Werkzeugen“  wie Stachel oder Zahn. Der Giftapperat besteht aus einem giftproduzierenden und giftspeichernden Drüsengewebe das mit einem Stachel oder Zahn in Verbindung steht. Mit dieser Hilfe wird das Gift (toxische Peptide und Proteine) parenteral angewandt.
Warum Giftinjektion?
Das Gift erfüllt mehrere Funktionen:
– Verteidigung gegen Fressfeinde, 
– Beuteerwerb (wohl der wichtigste Grund) , teilweise mit Vorverdauung der Beute.

2. Passiv giftige Tiere:

– Tiere mit Giftdrüsen, die den ganzen Körper überziehen und bei Reizung Giftsekret absondern oder verspritzen(Salamander,Kröten),
– Tiere, die Giftstoffe aus der Umwelt aufnehmen, sie in ihrem Körper anreichern und speichern und dadurch giftig werden, z.B. Pfeilgiftfrösche

Aber es werden auch Giftstoffe über die Nahrungskette angereichert, ohne den  angereicherten Organismus selbst zu  schaden. Erst wenn der Mensch am  Ende der Nahrungskette steht, entfalten diese Toxine ihre schädigende Wirkung, z.B. Muschelvergiftung(Saxitoxin), Fischvergiftung(Ciguatoxin). Diese Gifte sind natürlich vorkommend!

Arzneimittel aus Giften?

Arzneimittel aus Tiergiften sind vergleichsweise selten. Tiergifte werden in der physiologischen und besonders in der neurophysiologischen Forschung  verwendet.
Dennoch einige interessante Beispiele:

A: Gerinnungsenzyme aus Schlangengiften: Zur Behandlung von Durchblutungsstörungen und Thromboseneigung, (z.B.Arwin, internationale Bezeichnung: Ancrod), aus dem Gift der malayischen Grubenotter gewonnen, senkt die Fibrinkonzentration und damit die Blut- und Plasmaviskosität. Die Fließeigenschaften des Blutes werden verbessert. Wegen der Nebenwirkungen hat man das Präparat vom Markt genommen, es wird allerdings zur Initialbehandlung des Schlaganfalls noch eingesetzt

B: Fibrinkleber (Batroxobin),

C: Aggregationshemmer(Disintegrine), kommen in vielen Schlangengiften vor. Synthetische Wirkstoffe, die diese Wirkung immitieren: Tirofiban (Aggrastat)

D: ACE- Hemmer, wie Captropril und Ramipril (Delix) beruhen auf der Entdeckung von Peptiden aus dem Gift der Lanzenotter, die die Wirkung von Bradykinin potenzieren.

E: Schmerzbehandlung: Aus der Haut eines Färberfrosches wurde das Alkaloid Epibatidin isoliert. Aber da hochtoxisch und stark mit Nebenwirkungen belastet wurde ein Produkt aus ähnlichen Stoffen synthetisiert (Firma Abbott), Vorteil: führt nicht zur Abhängigkeit wie Morphin (wirkt  nicht auf Opiatrezeptoren im Gehirn, sondern auf neuronale nikotinische Acetylcholinrezeptoren.

F: Gift der Kegelschnecke: Blockiert die Calciumkanäle an der präsynaptischen Seite der Nervenendplatten. Bringt man dieses Toxin in den Rückenmarkskanal werden die Nervenfasern,die Schmerzreize von Haut, Gelenken, Knochen und den Organen im dorsalen Teil des Rückenmarks übertragen, dort blockiert. Im Gegensatz zu Morphin lässt die schmerzhemmende Wirkung nicht nach.

G: Gift aus der Krustenechse:  Bei Diabetes mellitus Typ 2 (Inkretin – Mimetikum). Inkretin ist ein körpereigenes Darmhormon, das die Insulinausschüttung steuert und ist bei diesen Patienten nicht ausreichend vorhanden.

Wie kommt es zur Vergiftung durch Tiere?

Bei den in Europa am weitersten verbreiteten Gifttieren, den Bienen und Wespen, ist es in der warmen Jahreszeit ein fast alltägliches Ereignis, daß Kontakt in Form eines Stiches entsteht. Bei einer Allergie ist das lebensbedrohlich. Ansonsten sind Begegnungen mit Gifttieren im Freien ein eher seltenes Ereignis. Eher sind Kontakte bei Terrarientieren, die eine wachsende Beliegbtheit finden, anzutreffen. Trotzdem finden sich verhältnismäßig wenige Bissunfälle pro Jahr.

Erste Hilfe und Behandlung

Die Gefährlichkeit der Vergiftung ist in der Regel schwer abzuschätzen, die Prognose unsicher. Wenn sie nicht gerade trivialer Natur sind, stellen Giftunfälle immer Notfälle dar. Die Hilfeleistung durch den Ersthelfer schließt die konventionellen Maßnahmen ein, wie sie ganz allgemein bei Unfallverletzten durchzuführen sind.

1. Den Betroffenen bergen und aus dem Gefährenbereich bringen. Bei Unfällen im Meer: das Wasser sofort verlassen. Vorsicht wenn das Gifttier selbst oder Teile von ihm (Tentakel, Stachel ) noch zu entfernen sind.

2. Beruhigend auf den Betroffenen einwirken. Panikreaktion vermeiden, Betroffenen nicht alleinlassen.

3. Betroffene Extremität ruhigstellen (Schlinge, Schiene), der Verunfallte sollte sich möglichst wenig bewegen (Vermeidung von Bewegungsschmerz, Verzögerung der Giftausbreitung), stabile Seitenlage beim spontanatmenden, bewusstlosen Verunfalten. Ständige Beobachtung, nicht alleinlassen!

4. Ringe und Armbänder abnehmen, es besteht bei starker Schwellung die Gefahr der Abschnürung.

5. Identifizierung des Gifttieres. Oft ist dies die einzige Möglichkeit einer sicheren Diagnose und die Grundlage der Therapie.  Vorsicht: Auch bei toten Gifttieren ist der Giftapperat noch häufig intakt, auch tote Giftschlangen besitzen noch für geraume Zeit einen Beißreflex.

6. Rascher Transport zum nächsten Arzt bzw. zur nächsten Klinik organisieren.

7. Kontinuierliche Kontrolle der Vitalfunktionen – Atmung, -Kreislauf,- Bewusstseinslage. Protokoll erstellen wenn möglich

8. Vitalfunktionen aufrechterhalten, bei Anzeichen auf Schock  Schocklagerung, wenn möglich SauerstoffInsufflation ( 4 – 6 LIter/ Min. )

9. Beim Atemstillstand: -Atemwege freimachen und freihalten, – Mund zu Nase, oder Mund zu Mund Beatmung. Da der Atemstillstand als Folge einer Vergiftung überwiegend durch Lähmung der Atemmuskulatur bewirkt wird, kann eine Beatmung oft mehrere Stunden beanspruchen. Daher muß der Verunfallte so schnell wie möglich in die Klinik.

10. Bei Anzeichen  einesHerzstillstandes: Herzmassage (logisch)

Unbedingt zu Unterlassen sind: 

1. Manipulationen an der Biss-bzw. Einstichstelle (einschneiden, ausschneiden, auspressen, aussaugen ect.) Derartige Maßnahmen führen dazu, dass größere Gefäße verletzt und das Gift aus dem Gewebe schneller in den Kreislauf gelangt. Außerdem besteht die Gefahr von Sekundärinfektionen und Blutungen.

2. Abbinden der betroffenen Extremität. Durch den hervorgerufenen arterio-venösen Stau kommt es in der Regel bald zu schweren Gewebeschäden. Grundsätzlich ist das Abbinden einer Extremität nur bei Verblutungsgefahr angezeigt, was bei Giftverletzungen nicht der Fall ist. 

3. Einreiben oder injizieren irgendwelcher Hausmittel

4. Extremes Erwärmen oder Kühlen der Biss- oder Einstichstelle (Gewebeschäden)

5. Verabreichen von Alkohol oder Kaffee, Aufnahme von Speisen.

Behandlung

1. Spezifische Maßnahmen: Verwendung eines Antidotes. Antidote gegen Tiergifte sind derzeit ausschließlich Antiseren, die durch Immunisierung von  Tieren mit einem Gift oder Giftgemisch gewonnen werden. Antiseren sind jedoch nur für relativ wenige Vergiftungen vorhanden: Steinfisch, Würfelqualle, einige Spinnen, Skorpione und für die wichtigsten (keinesfalls für alle) Giftschlangen. Folgerichtig muß die Mehrzahl der Vergiftungen durch Tiere symptomatisch behandelt werden.

2. Unspezifische (symptomatische)  Maßnahmen: Ein Gifttierunfall verläuft stets akut. Die Toxine greifen in vitale Körperfunktionen ein, oft schon binnen einer halben Stunde, selten innerhalb weniger Minuten , wird die Herz-Kreislauf-Funktion beeinträchtigt, das periphere Nervensystem blockiert, die Blutgerinnung aufgehoben. Einerseits bewirken dies die Gifte selbst, andererseits reagiert der Körper durch  Freisetzen von biogenen Aminen, Transmittern, Entzündungsmediatoren ect. die  infolge das Vergiftungsbild bestimmen und Komplex erscheinen lassen.

Durch die moderne intensivmedizinische Methoden:

1. Herz-Kreislauf-Stabilisation
2. Beatmung bei Lähmung der Atemmuskulatur
3. Dialyse bei akutem Nierenversagen
4. Behandlung von Gerinnungsstörungen (werden von manchen Schlangengiften hervorgerufen). Hier ist der Einsatz von Antiseren von Bedeutung, falls vorhanden.

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  • passiv giftige tiere

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Wer sein Wissen weiter Vertiefen will, dem empfehle ich das Buch“ Gifttiere von Dietrich Mebs, Ein Handbuch für Biologen, Toxikologen, Ärzte und Apotheker“. Viel Spaß Eure Doro

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