Perkutane Punktionstracheotomie auf der Intensivstation mit Blue Rhino

Patienten mit zu erwartender Langzeitbeatmung, wie ARDS, Pneumonie, Trauma, sowie nach mehreren erfolglosen Entwöhnungsversuchen, werden frühzeitig punktionstracheotomiert.
Durch frühzeitige Tracheotomien kann die Rate an nosokomialen Pneumonien und der Aufenthalt auf der Intensivstation signifikant gesenkt werden.

Die Punktionstracheotomie hat gegenüber orotrachealer oder nasotrachealer Intubation mehrere Vorteile wie

  • Verminderung des Atemwegswiderstandes (kürzere Kanülen mit höherem Innendurchmesser) bei COPD Patienten
  • höherer Komfort für den Patienten durch verbesserte Tubustoleranz (geringere Sedierung notwendig)
  • bessere Möglichkeit der Mundpflege
  • bessere Mobilisierung
  • oraler Kostaufbau möglich
  • Komfortables schnelles Wechseln zwischen Sprechen und Beatmung – z.B. tagsüber Sprechaufsatz, nachts Erholungsphase mit BIPAP oder CPAP

Wie bereits oben beschrieben, handelt es sich um einen Patienten mit zu erwartender Langzeitbeatmung. Der Patient ist also bereits nasal oder oral intubiert. Es ist weiterhin für eine ausreichende Sedierung und Analgesie zu sorgen. (Propofol,Sufentanyl,Relaxierung mit Esmeron)
Nach der Hautdesinfektion und dem sterilen Abdecken wird der orotracheale Tubus unter bronchoskopischer Sicht bis in die Glottisebene zurückgezogen. Nach Fixierung der Trachea und Spannen der Haut zwischen Daumen und Zeigefinger erfolgt die Punktion der Trachea zwischen der 1. und 4. Trachealspange unter bronchoskopischer Kontrolle.
Nach der Punktion der Trachea wird ein Führungsdraht (Seldingertechnik) in Richtung Trachealbifurkation vorgeschoben und anschließend die Punktionskanüle entfernt.
Danach erfolgt mit einem Stichskalpell eine transkutane Erweiterung der Punktionsstelle um ca. 0,5 cm nach links und rechts.
Es erfolgt eine Aufweitung des Punktionskanals mittels eines Prädilatationsbougies, der über den Draht in die Trachea vorgeschoben wird.
Nach der Befeuchtung der hydrophilen Oberfläche des Blue Rhino Dilatators wird dieser ebenfalls über den noch liegenden Führungsdraht eingeführt und führt zur Dilatation des Tracheostomas.
Gleichzeitig wird endoskopisch der Bougierungsvorgang überwacht und darauf geachtet, dass die Tracheahinterwand nicht verletzt wird. Nun wird die Trachealkanüle auf den entsprechenden großen Blue Rhino Dilatator gesteckt und zusammen mit dem Dilatator über den Führungsdraht eingeführt.
Nach Platzierung der Trachealkanüle werden Dilatator und Führungsdraht herausgezogen. Hiernach erfolgen die Connection der Kanüle mit dem Beatmungssystem und die Lagekontrolle mit dem Bronchoskop.
Zum Abschluss wird noch einmal über den immer noch in der Glottisebene einliegenden Tubus tracheoskopiert. Hierbei interessiert vor allem die Unversehrtheit der Trachealhinterwand an der Rückseite der Punktionsstelle. Hierzu wird der Cuff der Trachealkanüle entblockt und das Bronchoskop bis zur Trachealbifurkation vorgeführt und langsam zurückgezogen.
Wegen der Gefahr der akzidentellen Dislokation der Trachealkanüle in den ersten Tagen nach der Punktionstracheotomie wird diese durch Nahtfixation gesichert. Zur Abschlussdokumentation gehört außerdem eine Röntgen-Thorax Kontrolle zum Ausschluss eines Pneumothorax.

Kontraindikation :

  • Patienten mit instabiler Halswirbelsäule, Reklination des Kopfes ist nicht möglich.
  • konventionell nicht zu intubierende Patienten (z.B. Patienten mit schwerem Gesichtsschädeltrauma, Patienten mit oropharyngealen Tumoren, da hier keine rasche Atemwegssicherung im Fall von akzidenteller Dekanülierung möglich ist. Diese Patienten werden der operativen Tracheotomie zugeführt
  • Kinder und Jugendliche; aufgrund einer elastischen Trachea und derber prätrachealer Faszie hat man es bei diesen Patienten mit sehr schwierigen Dilatationsverhältnissen zu tun.

Komplikationen :

  • Pneumothorax
  • Asystolie
  • Verletzungen der Trachealhinterwand
  • Akzidentelle Dekanülierung
  • Stomainfektion
  • Hautemphysem
  • Blutungen

Aktualisierungen sind erwünscht :-)
Bilder folgen.

Artikel wurde gefunden mit den Begriffen:

  • punktionstracheotomie
  • punktion dilatationen strache tomien
Cyberfussel

Veröffentlicht von

Bis 1989 Rettungsdienst (SMH) in Halle/Saale. In der Pflege seit 1990. 1995 Fachausbildung AI.

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