Die Medizin wird zunehmend weiblich

Bericht  Südkurier 18.02.2011

„Die Medizin wird zunehmend weiblich“

Die Kliniken Schmieder wachsen mit einem Anbau in Heidelberg weiter. Geschäftsführerin Dagmar Schmieder spricht über künftige Herausforderungen. 

Konstanz – Die Kliniken Schmieder haben sich weiter vergrößert. 16 Millionen Euro hat das Unternehmen in die Hand genommen, um in Heidelberg einen Erweiterungsbau zu realisieren. Mit den zusätzlichen 57 Betten können nun rund 210 Patienten in der auf neurologische Rehabilitation spezialisierten Klinik behandelt werden. „Die Nachfrage in den Ballungsräumen ist enorm gestiegen“, begründet Dagmar Schmieder, geschäftsführende Gesellschafterin der Kliniken Schmieder, die Erweiterung. So sei eine Versorgungslücke im Rhein-Neckar-Gebiet geschlossen worden.

In den Kliniken Schmieder – unter anderem in Konstanz und Allensbach – werden Patienten nach einer Schädigung des Gehirns oder des zentralen Nervensystems wieder auf den Alltag vorbereitet. Gründe für eine solche Schädigung können unter anderem Schlaganfälle oder Hirntumore sein, aber auch Krankheiten wie Parkinson und Multiple Sklerose. Über alle Phasen der Erkrankung hinweg wird der Patient betreut. Doch nicht immer lassen sich alle Schäden vollständig kurieren. Häufig sei es so, dass der Patient gewisse Defizite durch die Krankheit akzeptieren müsse, um sie in sein Leben zu integrieren, sagte Dagmar Schmieder in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

Heute stehe das Klinikpersonal vor größeren Herausforderungen als 1950, als das Unternehmen gegründet wurde: „Patienten überleben heute weitaus schwerere Notfälle und Eingriffe als früher, da sich die Akutversorgung verbessert hat“, sagt die Klinik-Chefin. So habe aber auch die Patientengruppe mit größeren Hirnschädigungen zugenommen. Es sei oft schon ein großer Erfolg, wenn ein Patient wieder in die Lage versetzt werde, selbstständig zu leben – ganz ohne Pflege.

Nicht nur für den Patienten, auch volkswirtschaftlich sei deswegen eine gute Reha sinnvoll, merkt die Gesellschafterin an. Der Patient müsse nicht kostenintensiv gepflegt werden, sondern könne sich später selbst versorgen und mit seiner Arbeitskraft einen wichtigen Beitrag in der Gesellschaft leisten. Hier liegt laut Dagmar Schmieder ein Problem in der Struktur des deutschen Gesundheitswesens: „Die Sparten Pflege und Reha werden aus getrennten Budgets gezahlt. Der Reha-Kostenträger profitiert in der Regel nicht davon, wenn durch ihn Pflegekosten gespart werden“, merkt die Klinik-Chefin an. Die Politik sehe das Gesundheitswesen als Kostenfaktor und nicht den volkswirtschaftlichen Nutzen.

Im medizinischen Bereich ist auch der Fachkräftemangel eine weitere Herausforderung. Besonders Pflegepersonal und Ärzte sind begehrt. Und auch wenn in den Kliniken Schmieder alle Stellen besetzt sind und dort noch kein Fachkräftemangel droht, wird es auf lange Sicht schwerer, das nötige Fachpersonal zu finden. „Wir konkurrieren mit anderen Branchen um immer weniger Arbeitskräfte“, sagt die Geschäftsführerin, die das Unternehmen von ihrem Vater übernahm. Die Kliniken an der Schweizer Grenze stehen im direkten Wettbewerb zu den eidgenössischen Einrichtungen, die deutlich höhere Löhne zahlen als die deutschen.

Vor allem weibliche Fachkräfte rücken aus den Universitäten nach. „Das Verhältnis zwischen Ärzten und Ärztinnen ist im Moment bei etwa 50/50“, schildert Schmieder die Situation in ihren Kliniken: „Die Medizin wird zunehmend weiblich.“ Grund dafür ist zum einen, dass sich Männer immer häufiger für Berufe entscheiden, in denen sie mehr verdienen können. Außerdem habe sich herumgesprochen, dass sich Arbeitszeiten in diesem Beruf sehr flexibel gestalten ließen: „Das kommt besonders Frauen entgegen“, sagt Dagmar Schmieder und betont, dass auch ihre Klinik die Arbeitszeiten an die Lebensverhältnisse der Angestellten anpasse.

Quelle: Südkurier
http://www.suedkurier.de/news/wirtschaft/wirtschaft/-bdquo-Die-Medizin-wird-zunehmend-weiblich-ldquo-;art410950,4732956

Cyberfussel

Veröffentlicht von

Bis 1989 Rettungsdienst (SMH) in Halle/Saale. In der Pflege seit 1990. 1995 Fachausbildung AI.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Mehr in Presseschau
Vorsicht vor K.-o.-Tropfen im Glas

Bericht Südkurier vom 14.02.2011Immer häufiger werden Frauen bei Veranstaltungen unbemerkt Drogen ins Getränk gemischt, so die Polizei und die Freiburger...

Schließen