Kranken Seelen fehlen Ärzte

Artikel vom 11.08.2011 Mitteldeutsche Zeitung.

HALLE (SAALE)/MZ. In Sachsen-Anhalt sind immer mehr Menschen psychisch krank. Sie leiden an Depressionen, Demenz oder Verhaltensstörungen. Das geht aus einer Studie hervor, die das Statistische Landesamt am Donnerstag vorgestellt hat. Demnach steigt auch die Zahl der Tage, an denen Arbeitnehmer aufgrund solcher Erkrankungen arbeitsunfähig geschrieben werden.

Sachsen-Anhalt nähere sich damit dem Bundesdurchschnitt an, sagte Manfred Scherschinski, Präsident des Landesamtes. So war allein bei den Betriebskrankenkassen 2002 noch jeder 20. Ausfalltag auf psychische Krankheiten zurückzuführen, 2009, im letzten Jahr der Erhebung, war es bereits jeder zehnte (9,3 Prozent gegenüber 11,4 Prozent im Bundesschnitt). Dieser Trend treffe auch auf andere Kassen zu.

Der Studie zufolge hat Sachsen-Anhalt zudem die höchste Selbstmordrate in der Bundesrepublik. Die Statistiker erklären das mit der Zusammensetzung der Bevölkerung: Sachsen-Anhalt habe den höchsten Anteil an alten Menschen. Bei diesen sei die Suizidneigung auch anderen Untersuchungen zufolge besonders hoch.

Die Gründe für den Anstieg psychischer Erkrankungen sind vielfältig. „Das familiäre Umfeld spielt ebenso eine Rolle wie steigende berufliche Belastungen, bei denen Menschen an ihre Grenzen kommen“, sagte Gesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD). Deshalb sei auch die Wirtschaft gefordert, es seien mehr betriebliche Gesundheitsprogramme notwendig. Als weitere mögliche Erklärung für die Zunahme psychischer Störungen sieht Bischoff eine veränderte Einstellung in der Gesellschaft: „Wer das Gefühl hat, unter Depressionen zu leiden, sucht eher einen Arzt auf als noch vor einigen Jahren.“
Besorgt zeigte sich Bischoff über den geringen Grad an fachärztlicher Versorgung. So kommt Sachsen-Anhalt der Studie nach nur auf 0,8 ärztliche Psychotherapeuten je 100000 Einwohner, das ist bundesweit der letzte Platz. „Hier besteht dringend Handlungsbedarf“, sagte Bischoff. Es sei aber schwierig, die Krankenkassen dafür zu gewinnen. „Die schauen auf ihr Budget und sagen, mehr können wir uns nicht leisten.“ Die Kassen wiesen das zurück. „Von einer Verweigerungshaltung kann keine Rede sein“, sagte Volker Schmeichel vom Ersatzkassen-Verband. Er räumte aber ein, dass es vor allem in ländlichen Regionen Engpässe bei der psychotherapeutischen Versorgung gebe. „Da werden wir reagieren.“

Quelle: MZ v. 11.08.2011

Cyberfussel

Veröffentlicht von

Bis 1989 Rettungsdienst (SMH) in Halle/Saale. In der Pflege seit 1990. 1995 Fachausbildung AI.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist nicht nur dort ein Problem. Ich sehe das jeden Tag in der Notaufnahme, viele sind mit Ihren Problemen dort definitiv falsch.

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