Welches sind die Leistungen der Pflege ?

Dieser Artikel wurde bereits 1994 von Michael Thomsen veröffentlicht – … und ist leider noch genau so aktuell.

http://mthomsen.privat.t-online.de )

Vielen Dank für die Genehmigung zur Veröffentlichung auf fachpflegewissen.de.


„Was Sie doch so leisten müssen! Ich könnte das nicht!“

„Jetzt machen Sie doch sicher auch Frühstückspause?“

„Dann legen Sie sich nun man auch wieder hin!“

„Pflegenotstand, ja ich versteh‘, und dann die schlechte Bezahlung-…“

„Wie – schon wieder hier? Sie waren doch noch gestern Abend da!“

Gesteigertes Anspruchsdenken

Was mich sehr nach fünf Jahren Erfahrung in der Kran­kenpflege erschreckt, ist die Unwissenheit und unschul­dige, vom Fernsehen verklärte Sicht der Bevölkerung auf die vermeintliche Realität des Krankenhausalltags wie sie in den oben zitierten Aussagen teilweise zum Aus­druck kommt!

Gleichzeitig ist festzustellen, daß in den letzten Jah­ren im allgemeinen sich ein zunehmendes „Anspruchsden­ken“ durchsetzt.  Man kommt ins Krankenhaus, hat Kran­kenkassenbeiträge regelmäßig bezahlt, hat Anspruch auf optimale medizinische und pflegerische Versorgung. Von „Pflegenotstand“  hat  man  entweder gar  nichts  gehört oder man kann  sich darunter nicht sehr viel Konkretes vorstellen. Und niemand  fragt danach, warum es gerade dem Pflegepersonal oft schwer fällt, den Ansprüchen der Patienten und Angehö­rigen  gerecht zu werden. Andererseits läßt sich beob­achten, daß solches Anspruchsdenken sich vor dem Hin­tergrund eines allgemeinen, sozialen Wandels bis zum Absurden gesteigert hat. Anstatt die junge, mobile Mit­patientin um das Schließen des Fensters zu bitten, wird nach der Schwester geklingelt. „Wieso haben Sie denn nichts gesagt, ich hätte das Fenster doch schließen können?“ – „Ach, lassen Sie doch! Wozu haben wir denn die Schwester?“

 

Krankenpflege – Prellbock ohne Lobby 

Selbst wenn die Menschen sozusagen Opfer sind, Patient also, bekommen sie nicht im entferntesten einen ansatzweise realistischen Einblick in das alltägliche Burnout der Schwestern und Pfleger. Das Bild bleibt verklärt vom Funktionieren des Apparates Krankenhaus und vom unrealistischen, falschen Bild einiger Fernsehserien. Gleichzeitig erzählen sich ehemalige Patienten von den Pannen und den organisationsbedingten Zumutungen für die Patienten. Nörgeleien über Unter­kunft, Verpflegung (Kost) und den pflegerischen und medizinischen Diensten, oft gar zu recht, sind an der Tagesordnung, dennoch –  kein wirkliches Einsehen.

Kein Einsehen , was wirklich hinter den Kulissen der Krankenzimmertüren geschieht, was geschuftet, gehetzt, gesorgt und ausgehalten  wird. Kein Einsehen, warum es dem Pflegepersonal zunehmend schwer fällt, immer freund­lich zu bleiben.  Aussagen wie die oben zitierten am laufenden Band, gleichzeitig Skandale, un­menschliche Behandlung und Pannen; kurz: Grund zum Pro­testieren. Protest aber bleibt spätestens  beim Sterbenden stumm!

Nicht einmal die berechtigte Empörung der Patienten, die beim Pflegepersonal (an der Front) ab­geladen wird, ist nutzbar zu machen für eine Verbesse­rung der (perso­nellen) Situation des Pflegepersonals. Ansprüche an das Pflegepersonal allerorten, ohne zu fragen, ob es den Ansprüchen überhaupt gerecht werden kann. Denen es bes­ser geht, die schließen von sich auf den Rest der Pati­enten, sehen nicht, daß dort schwere Pflegefälle auf der Station liegen, die mühsam und zeitaufwendig ver­sorgt werden müssen. „Warum muß der Bettnachbar so lange auf Verlangtes oder Versprochenes warten? Wann kommt denn endlich die Krankenschwester? Sicher sitzt die wieder mal beim Kaffeetrinken!“  Nicht einmal Vor­urteile! Schlichtweg Unwissen!   Im Gegenteil: Im Ge­gensatz zu  anderen Berufsgruppen und Abteilungen ist das Pflegepersonal für den Patien­ten der am ehesten faßbare Teil des Apparates Kranken­hauses, bei dem der Patient seinen Ärger abladen kann, wenn z.B.  die Zen­tralküche wieder einmal nicht das Ge­wünschte liefert oder der Diabetiker unnötig lange nüchtern bleiben muß, weil der Arzt das Abrufen zur Ab­domen-Sono vergessen hat. An der anderen Front kämpft man (die Krankenschwe­ster) dann auch noch vergebens gegen Küche oder Arzt und bekommt am Ende noch selbst  – irgendwie – den Schwar­zen Peter zugeschoben.  Krankenpflege als Prell­bock! Noch schlimmer: Abgesehen vom medizinischen und diagno­stischen Dienst darf das Pflegepersonal nicht nur an den Wochenenden noch Aufgaben von Verwaltung, Kran­kengymnastik und anderen Berufen im Hause mit halbierter Besatzung miterledigen. Für diesen Aufwand an Mehr-Arbeit gibt es aber, was eben kaum jemand weiß, nicht den entsprechenden Mehr-Verdienst! Für alle ist diese Mehrleistung selbstverständlich oder wird gar nicht gesehen, und diese Selbstverständlichkeit stellt auch niemand in Frage. 

 

Hat man als Patient erst einmal (gesund) das Kranken­haus verlassen, gibt es – als Gesunder – keinen Grund mehr, sich an irgendeine Stelle mit seinem Protest zu wenden. (Nach mir die Sintflut!) Auch Solidaritätskund­gebungen für das Pflegepersonal sind dann leicht ver­gessen. Aber schon als Kranker hat man mit sich und seinem Leiden genug zu tun; niemand kann in einem sol­chen Zustand vom Kranken – trotz Protestes über Behand­lung etc. – Parteinahme für Pflegende ernsthaft erwar­ten! Kurz: Pflege hat keine Lobby!

 

Pflege im dunkeln

Wie könnte man der Öffentlichkeit und den Patienten zu einem realistischeren und gerechteren Einblick in die Arbeitssituation des Pflegepersonals verhelfen?              

Aufklärung im allerbesten Sinne scheitert unter anderem an der Intimsphäre des Patienten einerseits und der Schweigepflicht des Personals andererseits. Eine auf­klärende Presse würde zudem leider nur konkrete Einzel­fallbeispiele aufbauschen und vermarkten, denn auch in­formative Aufklärung will heute nicht einfach an den Mann gebracht, sondern vor allem verkauft werden. So korrumpieren die Zwänge der  Markt- und Werbewirtschaft eine emanzipatorische Aufklärung über die Strukturen des Gesundheitswesens bzw. des Pflegeberufes.

Über die Presse also kann Aufklärung anscheinend nicht erfolgen. Öffentlichkeit aber ist (heutzutage) die wichtigste Vor­aussetzung für Veränderung. Aufmerksam wird die Öffent­lichkeit erst, wenn es zu spät ist, wenn die Berufs­flucht größere Dimensionen erreicht hat, so daß die Frage nach den Gründen sich quasi wie von selbst auf­drängt.  Dennoch gelingt keine wirkliche Auf­klärung, die Lobby schaffen könnte.

So gesehen arbeitet Pflege  stets im dunkeln und hat lediglich eine systemimmanente – also keine unabhängige – Kontrolle und Durchleuchtung!  Es kommt dadurch auch zu keinerlei Anreiz, innerhalb der Pflege Strukturen zu verändern. Pflegenotstand ist zu einem Großteil hausgemacht!

 

Leistungen der Pflegenden bleiben im dunkeln. Was im dunkeln bleibt, kann man nicht an-erkennen! Pflege fin­det keine wirkliche Anerkennung. Ihre Anerkennung bleibt stets okkult, irgendwie nur eine diffus emotio­nale Angelegenheit. „Pflegen kann jeder!“ lautet ein moderner Ausspruch einer bekannten Persönlichkeit; es ist scheinbar nur eine Sache der Überwindung, hat nichts mit Können im eigentlichen Sinne oder gar mit Techniken, Erfahrung und Wissen  zu tun.  So – in etwa – die landläufige, öf­fentliche Meinung.   Be­wundert wird nicht Leistung und Können, sondern die Überwindung und Bereitschaft, sich vermeintlich unange­nehmen Dingen und Themen (Fäkalien, Sterben, etc.) zu­zuwenden, sowie sich einer unmenschlichen Schichtarbeit freiwillig aus­zusetzen. (siehe oben!)  Wenn Patienten von „Leistung“ sprechen, meinen sie also eigentlich solchen Überwin­dungsakt.

 

1.Medaille: Von der Berufung zum Beruf

Was Pflegende tagtäglich tun; es ist keine Leistung im strengen  Sinne!

Es ist keine Leistung, weil Pflegen Berufung ist, d.h. wer sich für die Pflege von (kranken) Menschen ent­scheidet, fühlt sich auch irgendwie dazu berufen, will helfen, will Nächstenliebe praktizieren, mit Menschen umgehen. Er weiß dabei in der Regel, daß seine Arbeits­bedingungen und die Bezahlung schlecht sind; er weiß, worauf er sich einläßt und dennoch wählt er diesen „Be­ruf“. Er weiß, daß diese Berufsgruppe nicht nur ohne jede ernstzunehmende Lobby ist, sondern auch keinerlei Möglichkeiten hat, Macht auszuüben, um Arbeitsbedingun­gen zu verbessern. Alle Kraft wird im pflegerischen Dienst verbraucht. Burnout!

Historisch gesehen, ist dabei erstaunlich, daß es einer so wenig professionalisierten Berufsgruppe dennoch ge­lungen ist, bestimmte Bereiche ihres pflegerischen Tuns, insbesondere bei den Prophylaxen, auf ein beinah professionelles Niveau zu heben.

 

Eines unterscheidet die Berufsgruppe „Krankenpflege“ aber ganz besonders von anderen Berufsgruppen im öf­fentlichen Dienst: Einerseits hätte das Machtmittel der Arbeitsverweigerung, nämlich Streik, horrende Folgen, aber gerade diese Folgen sind es andererseits, welche das Machtmittel neutralisieren, geradezu unmöglich ma­chen. Leistungsverweigerung scheint hier kein Mittel der Macht- und Einflußnahme! Sich-nicht-wehren-können ist ein Charakteristikum der Pflegenden. Wer sich aber nicht wehren kann, der wird in unserer Gesellschaft ausgenutzt.      

Die Leistungsverweigerung geschieht hier sehr individu­ell; Berufsflucht ist das Stichwort.
Aber selbst der selbstloseste Mensch kann heute nicht leben ohne Lohn, um sein Leben und Arbeiten (Pflegen) unterhalten zu können.  Und auch Anerkennung ist Lohn!

 

So hat pflegerische Tätigkeit immer zwei Seiten einer Medaille: Sie ist ne­ben Berufung (freie Entscheidung) immer auch Beruf (notwendiger Broterwerb).

 

2.Medaille: Pflegeprozeß

In diesem Beruf nun soll der leidende Mensch im Mittel­punkt stehen. Da aber pflege­rische Tätigkeit   Dienst­leistung ist, primär eine kom­munikativeTätigkeit, kann der leidende Mensch, der Pa­tient nicht losgelöst gese­hen  werden von dem Pfle­genden. Genauer betrachtet steht also nicht eigentlich der Patient im Mittelpunkt, sondern die Interaktion von Pflegenden und Patienten mit dem gemeinsamen Ziel der Wiederherstellung von Gesundheit und Autonomie (Frei­heit) des Patienten.

Wieder kann von zwei Seiten einer Medaille gesprochen werden: Zum Prozeß des Gesundwerdens gehören immer zwei, und wichtig scheint es, daß der Helfende nicht nur Bereitschaft, sondern auch die Kraft dazu hat. Das heißt: Genauso wichtig wie die Interessen, Bedürfnisse und Ressourcen  des Kranken sind die Interessen, Be­dürfnisse  und Ressourcen des Pflegenden. Insofern ist ihre Interaktion immer symetrisch.

Wer also den Patienten  – an sich –  unreflektiert in den Mittelpunkt rückt, übersieht den Prozeßcharakter allen Heilwerdens, abstrahiert vom tatsächlichen Ge­schehen.

Bei einer Medaille ist nicht die eine Seite mehr wert als die andere; nur zusammen sind sie wertvoll, sinn­voll, denkbar.

 

3. Medaille: Bedürfnisse der Pflegenden

An dieser Stelle ist unversehens der Pflegende wieder mehr ins Blickfeld geraten, diesmal abgebildet auf ei­ner anderen Medaille. Seine Tätigkeit – so sagten wir weiter oben – sei Berufung einerseits, Beruf dennoch  andererseits. Was ist nun das Gemeinsame? Was macht den eigentlichen Wert seines Tuns aus? Wie ist das Tun die­ses zu diesem Beruf Berufenen zu bewerten? Es sei keine Leistung, sagten wir eingangs, dennoch wird er ent­lohnt, ja muß entlohnt werden. Aber Lohn gibt es nur für Geleistetes. Wie ist dieser Widerspruch aufzulösen?

 

Pflegerische Tätigkeit ist zunächst keine Leistung im Sinne herstellender, vorzeigbarer und meßbarer Arbeit, gleichwohl werden von Pflegenden irgendwie „Lei­stungen“ erbracht, nicht meßbar im physikalischen, technischen Sinne, aber eben Dienstleistungen am Mit­menschen.  Sol­chermaßen Geleistetes ist eben nicht Lei­stung für oder um  Lohn, wird zunächst nicht um Lohnes willen getan, sondern ist freier Dienst im besten Lu­therschen 1) Sinne.

Andererseits fungiert neben dem Leistungsprinzip das sogenannte Bedürfnisprinzip. Und Berufsarbeit zielt darauf, Bedürfnisse zu befriedigen. (vgl.: Brockhaus, Bd.3, S.177) Jeder Mensch, jede Berufs­gruppe hat Be­dürfnisse, denen wir alle, unsere Gesellschaft gerecht werden müssen, damit auch die freiwillig arbeitenden (pflegenden) Menschen überhaupt leben und arbeiten kön­nen. Die bekannte Maslowsche Bedürfnispyra­mide nimmt Pflegeberufe dabei nicht aus! Und warum es wichtig ist, diesen Bedürfnissen der Pflegenden gerecht zu werden, hat uns die Betrachtung der ersten Medaille gezeigt: Wenn Pflegende nicht stark und gesund genug sind, kön­nen sie nicht mehr pflegen, sind selbst krank. Dieser Zustand ist spätestens 1989 eingetreten: Berufsflucht, Pflegenotstand heißen die Schlagwörter. Aber diese Ge­sellschaft braucht Menschen, die die Schwachen und Kranken (an) dieser Leistungsgesellschaft pflegen kön­nen. Und ihre Arbeit am Patientenbett ist eben auch ein Können im beinah technischen Sinne; es beruht auf tradierter, praktischer Erfahrung. Es ist eben ein Kön­nen und Wissen um die Pflege, das nicht re­duziert ist auf technische Verfügung im Sinne des tech­nischen Er­kenntnisinteresses 2), sondern es umgreift eben auch praktische (hermeneutische) und emanzipato­rische Erkenntnisinteressen. Solche Vielseitigkeit des Pflegeberufes ist von einer eindimensionalen 3) Gesell­schaft scheinbar nicht zu fassen.

Und deswegen tut sie sich noch schwerer, „Leistungen“ der Pflege gerecht (billig) zu entlohnen, bzw. die Not­wendigkeit von Verbesserungen im Stellenschlüssel anzu­erkennen.    

Wenn man nun  die Arbeitsrealität und die Entloh­nung der Pflegeberufe realistisch betrachtet und in Ver­gleich setzt zu anderen gesellschaftlichen Gruppen und dies wiederum in Relation setzt zu der für alle gleich gültigen Bedürfnispyramide, so ist festzustel­len, daß  diese in der Alltagssprache auch „Leistung“ genannten Tätigkeiten ihrer Arbeitsrealität nicht ge­recht bewer­tet (Anerkennung) und entlohnt werden.  So gesehen hat pflegerische Tätigkeit einen anderen Lei­stungscharakter als es üblicherweise für Berufsarbeit definiert wird. Die Art dieser „Leistung“ ist dabei eben schwer zufas­sen! Gerade weil dies so schwer zu fassen ist, tun sich die Bevölkerung,  die verantwort­lichen Politiker und die Pflegenden selbst so schwer, der Pflege gerecht zu werden, sie auch als berufliche Tätigkeit anzuerkennen. 

———————

1) vgl.: Martin Luther: Apologie des Augsburger  Bekenntnisses, Artikel 4

2) Jürgen Habermas: Erkenntnis und Interesse, Frankfurt 1968

3) Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch, Neuwied 1967

 

 

Erweiterung der Parameter

Leistung ist also eine, nicht allein physikalische, meßbare Größe. Leistungen der Pflege aber sind nicht die Leistungen der Fließbandarbeit! Die Meßbarkeit ih­rer Leistungen benötigt erweiterte Parameter!

Der Leistungsbegriff wird neuerdings durch das Inkraft­treten der PPR akut. Dort wird der Begriff mehrfach verwendet. Es geht u.a. um leistungsgerechte Berechnung von Personalstellen. Dort geschieht es nach dem Muster von Fließbandarbeit.

Gleichzeitig fehlen allgemeingültige Qualitäts- und Leistungskriterien für die Pflege. Und es ist auch schwer, dafür Meßlatten zu erfinden, solange man einzig und allein den handwerklichen, technischen Charakter pflegerischen Arbeitens vor Augen hat wie  beispiels­weise die PPR. Ich wiederhole mich: Was das Wesentliche einer guten Pflege ausmacht, ist eben so einfach nicht zu fassen. Hier gilt es, auf Erkenntnisse aus Erfah­rungs- und Sozialwissenschaften sowie aus Hermeneutik und Philosophie heranzuziehen, um dem Gegenstand „Pflege“ gerecht zu werden.

Nur eines ist ganz sicher: Pflege in Zeitraster aufzu­lösen für bestimmte pflegerische Tätigkeiten – wie bei der PPR -, um dadurch  z.B. Personalstellen gerecht zu  ermitteln, zeugt von einem tiefgreifenden (Selbst)-Miß­verständnis der Pflege. 

(Dennoch behaupte ich, daß es Möglichkeiten gibt, Per­sonalstellen für die Pflege gerecht zu ermitteln. Al­lerdings bedarf es des Mutes, neue Wege zu gehen.)

Insgesamt gesehen scheint es m.E. gefährlich zu sein, unkri­tisch den Begriff der Leistung auf die pflegeri­sche Tä­tigkeit anzuwenden. Hier muß auf die Wurzeln des Pfle­geberufes geschaut werden. Außerdem ist die Appli­kation des Leistungsbegriffs auf die Pflege insofern schon problematisch als dieser Begriff in der sogenann­ten Leistungsgesellschaft selbst nicht ohne Widerspruch ist.

Am Ende dürfte deutlich geworden sein, daß Verbesserun­gen in den Arbeitsbedingungen der Pflegenden nur dann möglich werden, wenn es gelingt, den Umfang ihrer Lei­stungen unter Angabe der erweiterten Kriterien und Pa­rameter der Öffentlichkeit deutlich zu machen. Dies ist die Aufgabe einer Pflegewissenschaft, die ihre Theorien nicht allein auf Ergebnisse der technischen Wissen­schaften gründet, sondern auch Erfahrungen der Praxis und Erkenntnisse aus Hermeneutik und Philosophie zur Grundlage macht.   

Die Legitimation solcher Pflegewissenschaften ist denk­bar einfach: Burnout, Berufsflucht, Pflegenotstand. Wenn Pflegeprozesse zukünftig Sinn haben sollen, dann müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es er­möglichen, daß das Pflegepersonal gesund bleibt, damit die Patientengesund werden können.  

Cyberfussel

Veröffentlicht von

Bis 1989 Rettungsdienst (SMH) in Halle/Saale. In der Pflege seit 1990. 1995 Fachausbildung AI.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. In diesem Artikel wird mehr von den Pflegekräften in den Krankenhäusern gesprochen. Die Pflege außerhalb der Krankenhäuser wird leider nicht viel anders von der Bevölkerung gesehen. Da ich selbst in der ambulanten Pflege arbeite schon seit einigen Jahren. Die Zeit vor der Pflegeversicherung und seit der Pflegeversicherung ist mir bekannt. Auch die Zeit als es alle ambulanten Leistungen kostenlos von der Kasse gab und die Zeit wo sich die Patienten anteilig an den Kosten zu beteiligen haben. Auch in der stationären Pflege konnte ich einige Zeit hineinschauen. Die vielen Wechsel, vor allem auch durch die Zeitarbeitsfirmen lassen schon so einige Verallgemeinerungen zu, weil sie, egal wo ich war, immer wieder zu finden waren.

    Nun mal die Aussage: „Was sie doch leisten müssen! Das könnte ich nicht!“ Wenn ich persönlich diesen Satz höre und wird auch von vielen Kollegen bestätigt werde ich demjenigen gegenüber skeptisch. Danach kommt dann meistens, wenn ich für ca 8 bis 9 Euro gebucht worden bin um denjenigen zur Toilette zu bringen und das Inkontinenzmaterial zu wechseln, dass wir noch die Wunschbrötchen vom Wunschbäcker achja und die Zeitung an anderer Ecke noch mitbringen können. Ich muss allerdings dazu sagen, dass dieses Verhalten allerdings meistens von Leuten kommt, die eigentlich selbst zur Toilette gehen könnten und bei angepasster Inkoversorgung auch dieses selbst könnten, nur leider die Treppen im Hause für die Brötchen und Zeitung unüberwindbar sind und die Kontaktebene zum Umfeld so was von zerlöchert bis total zerbrochen ist durch jahrelange Anstrengungen. Da bleibt einem nur noch die ambulante Pflege. Die zahlt ja die Pflegekasse bzw Krankenkasse und da geht ja scheinbar nichts aus dem eigenen Portemonnaie. Keine Sorge, dieses Beispiel ist noch sehr sehr harmlos. Das alles ist noch stark steigerungsfähig. Vor allem wenn noch Drohungen dazu kommen sich derart beim Chef zu beschweren, dass es einem den Job kosten könnte.

    Jetzt zum Parameter schaffen. joah das könnten wir schaffen ganz viele davon. Es gibt ja schon viele davon und selbst die werden erfahrungsgemäß noch nicht einmal genutzt. Das Berechnen dieser Parameter und damit den tatsächlich notwendigen Etat zu errechnen unterliegt der Betriebswirtschaft, für die Pflege gibt es da in der Richtung kein Fach. Die bringen an Wissen nur das mit, was sie im Studium einmal vorgekaut und wieder ausgespuckt auf den Tisch bekommen. Nur darauf hat in der Betriebswirtschaft noch so keiner richtig drauf rumgekaut geschweige denn ausgespuckt, statt dessen (wie schon selbst erlebt) nur ein arrogantes Herabsehen auf unseren minderwertigen Beruf.

    Noch mal Wertschätzung unseres Berufes:(Kommt aus dem Bekanntenkreis also keine Schweigepflichtsverletzung) Eine Bekannte aus der Jugend äußerte sich ebenfalls mal sehr bewundernd zu meinem Beruf. Sie hatte gerade ihren Opa ins Pflegeheim bringen müssen, von dem sie das Haus überschrieben bekommen hatte mit dem Zusatz Wohnrecht für ihn. Ja sie hat sehr sorgfältig das Heim ausgesucht. Den eigentlichen Grund hat sie als Nachsatz ( der in der Art wie sie alles erzählte alleine glaubwürdig war) angefügt “ Da reicht seine Rente für“

    Nun wollten wir mal ehrlich sein. Ganz ehrlich. Es gibt sehr sehr viele Menschen die unseren Beruf sehr zu schätzen wissen, uns das Leben auch leichter machen, vor allem, wenn sie zu vielen Dingen auch wirklich richtig informiert sind (daran scheitert es auch wirklich verdammt oft ) Es gibt Informationen aus den Medien, die oft nur verunsichern und vieles nur einseitig beleuchten. Dann gibt es noch sehr viele Berufe, mit denen wir eine Schnittstelle bilden sollen und es auch tun, die ohne auch nur einen Blick ins SGB XI zu werfen oder sich mit pflegerischen Parametern noch sonstiges auskennen wissen wollen wofür wir in der Pflege zuständig sind, Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte, selbst ein Geschichtsprofessor und ganz zu schweigen von der lebenden Bildzeitung um die Ecke. Und die haben sehr oft auch noch eine weit aus größere Glaubwürdigkeit.
    Nur diese Menschen sind so etwas von angenehm, dass in vielen Dingen sich oft im Umfeld jemand findet, der das ganze erledigt. Erst wenn es pflegerisch wirklich schwierig wird wenden sie sich für kurze Zeit an uns und sind dann wieder weg.

    So manches Mal fühle ich mich bei der Arbeit nur noch als Quetschzone damit auch der gößte Stinkstiefel der Nation ein recht auf menschenwürdige versorgung bekommt nur sich alle andere Welt schon zurückgezogen hat und für diese Stinkstiefel müssen wir aus Zeitgründen oft die wirklich hilfebedürftigen vor allem in den stationären Einrichtungen vernachlässigen. Der Bettlägerige mit Pflegestufe 3 kann ja nicht mehr zum Chef rennen, sondern nur der Stinkstiefel mit Pflegestufe 1 der allen Pflegekräften verbal mehrmals täglich in den Magen haut

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