Ich war müde …

2012-04-29 11.53.33
Gestern habe ich einen interessanten Artikel von pflegenot2014.de gefunden.
Für diejenigen, welche mit Facebook nichts zu tun haben wollen, oder es einfach noch nicht gesehen haben, hier noch mal ein Link zum Artikel pflegenot2014.de/ich-bin-muede .
Der Autor dieses Artikels beschreibt seine Erschöpfung nach 15 Berufsjahren und die zusätzliche Demotivation durch aktuelle politisch verursachte Probleme.
Mir ging es vor ca. 2 Jahren ähnlich. Nach fast 25 Jahren, davon 20 Jahre ITV, bemerkte ich ähnliche Veränderungen. Die Ruhe und Gelassenheit beim Umgang mit Patienten und Kollegen ging im Laufe der Jahre verloren. Es sind Veränderungen die einem selbst nicht immer bewusst werden. Eine Verdichtung der Aufgaben und immer mehr die Kompensation von Personalengpässen tragen ihren Teil dazu bei.
Der tägliche Kampf gegen Windmühlenflügel und die fehlende Wertschätzung macht nicht nur unzufrieden, sondern auf Dauer auch krank.
Es bleibt dann nur noch eine mögliche Lösung. Ein abrupter Schnitt ! Entweder ein Wechsel in einen anderen Bereich, der sich aber in vielen von der bisherigen Aufgabe unterscheiden sollte, oder eine komplette Umschulung. Klingt hart. Unter heutigen politischen Bedingungen ist es aber nicht mehr anders zu lösen. Oder meinst du dass du deinen Job bis zum 67 Lebensjahr durchhältst UND das du deinen Kollegen dann noch eine Hilfe bist. Das wird deine 22 jährige Kollegin dann wahrscheinlich etwas anders sehen.
Wenn ich heute nach 2 Jahren in meinen alten Arbeitsbereich schaue, sehe ich sehr viele bekannte Verhaltensmuster.
Unzufriedenheit, Streitereien, grimmige Blicke, ungeduldiger Umgang mit Patienten … Interessant ist dass sehr viele Kollegen die Schuldigen an der falschen Stelle suchen. Die größte Berufsgruppe in den Krankenhäusern schafft es im täglichen Trott nicht sich endlich zu organisieren und selbst etwas an der Situation zu verbessern. Wir warten immer noch dass es ein anderer tut und schimpfen dann weil wir es anders wollten.
Wir sind in unserem Haus bisher nicht von Gehaltskürzungen betroffen. Das es so bleibt – eine Garantie gibt es heute nicht mehr.
Jeder in der Pflege tätige sollte sich selbst beobachten und rechtzeitig handeln bevor er selbst oder ein anderer zu Schaden kommt.
Ich wünsche euch weiterhin viel Freude an eurer Arbeit.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Kommt mir extrem bekannt vor. Meine Konsequenz bestand darin, komplett die Branche zu wechseln. Diesen Schritt habe ich nie bereut, und ich werde ihn auch nie bereuen.

    Zum Glück hatte ich mir über Jahre genug Wissen im Bereich Webentwicklung angeeignet, um problemlos den Schritt in einen anderen Beruf zu schaffen. Dieses Glück haben leider nicht alle.

  2. hallo Wolfgang,
    diesen schritt habe ich auch gewagt. komplett die Branche wechseln . von der krankenpflege in die Verwaltung. und ich bereue es auch nicht. berufsflucht ist eben der beste streik. etwas anderes hilft eben gegen den pflegenotstand nicht!
    lg. verwaltungsazubi

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