RSI – Rapid Sequence Induction im Erwachsenenalter

Synonym: Quick-Intubation, Crush-Intubation, Blitzintubation, Ileuseinleitung

Die Rapid Sequence Induction ist eine Sonderform der Narkoseeinleitung die zur Anwendung kommt, wenn ein Patient aspirationsgefährdet ist. Zum Zeitpunkt der Narkoseeinleitung ist die Gefahr einer Aspiration am größten, da es zu einem Ausfall der Schutzreflexe kommt, ohne dass der Atemweg gesichert ist. Als direkte Folge einer Aspiration können lebensbedrohliche Hypoxämien, Hypoxien und/oder Pneumonien resultieren.

Ziel:
• Schnelles Erreichen einer genügend tiefen Anästhesie und Muskelrelaxation, um Husten und Würgen zu vermeiden und rasch optimale Intubationsbedingungen zu schaffen
• Reduktion des Zeitintervalls von Verlust der protektiven Atemwegsreflexe bis zur Sicherung des Atemwegs mittels Endotrachealtubus

Indikationen:
Absolut:
• Patienten mit Ileus, akutem Abdomen (Peritonitis)
• Patienten mit präoperativer Übelkeit und/oder Erbrechen
• Schwangere Patientinnen ab der 12-14. SSW bis 24h post partum
• Patienten mit oberer GI-Blutung
• Patienten mit unzureichender Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz
Grenzwerte:
• 2 Stunden für klare Flüssigkeiten
• 4 Stunden für Muttermilch
• 6 Stunden für feste Kost
Relativ:
• Gastro-Ösophageale Refluxkankheit (GERD)
• Patienten mit Blutungen im Nasen-, Rachen- oder Ösophagusbereich (da zumeist Blut verschluckt wird)
• Patienten nach Trauma, (schmerz- und stressbedingte Störung der Magenentleerung)
• Adipositas BMI >35

Vorbereitung:
• von einem Arzt in Ausbildung ist zu jeder RSI ein Facharzt hinzuzuziehen
• Vorbereitung der Narkose im OP Saal
• Anlage einer großlumigen Magensonde, Absaugen des Mageninhalts und anschließend Entfernen der Magensonde. Im Falle eines Dünndarmileus sollte das Einbringen einer Magensonde bereits auf Station erfolgen!
• Verabreichung von Citratpuffer (30ml 0,3-molares Natriumcitrat p.o., pH-Wert 8,5, 10-15min vor Induktion)
• Tubus mit Führungsstab versehen
• Narkosemedikamente nach Standard inkl. Succinylcholin als Muskelrelaxans
• Bei Kontraindikationen gegen Succinycholin Verwendung von Rocuronium
• Bereitstellung eines funktionstüchtigen, großlumigen Saugers (OP-Sauger)
• Lagerung des Patienten in 30° Anti-Trendelenburg-Lagerung („Oberkörper hoch“);
Der Behandlungskorridor sieht alternativ auch eine Trendelenburg-Lagerung („Oberkörper tief“) vor, die Präoxygenierungsbedingungen sind hier vergleichsweise schlechter (geringere Sauerstoffreserve).

Durchführung:
• Denitrogenisierung mit 100% Sauerstoff über dicht sitzende Gesichtsmaske für min. 3-5min
• Zügige Verabreichung der Narkosemedikamente
• Apnoische Oxygenierung bis zum vollständigen Wirkeintritt der Muskelrelaxation
• Zügige orotracheale Intubation
• Nach Ansage des Anästhesisten Blocken des Tubuscuffs
• Entfernung des Führungsstabes (dies kann u.U. auch während der Platzierung des Tubus zur Vermeidung von Verletzungen der Trachea erforderlich sein)
• Lageverifizierung des Tubus
• Erneute Anlage einer Magensonde
• Fixierung von Tubus und Magensonde
• Aufheben der Anti-Trendelenburg-Lagerung

Anmerkungen:

Präkurarisierung/Priming/Timing:
Von einer Präkurarisierung, Priming oder Timing wird aus Sicherheitsgründen und fraglicher Wirksamkeit abgeraten.

Krikoiddruck/Sellick-Handgriff:

Auch für die Durchführung des Krikoiddrucks gibt es zum aktuellen Zeitpunkt keine Evidenz. Die Entscheidung über die Durchführung liegt demnach in individuellem Ermessen. Außer bei Hochrisikopatienten (wie z. B. Z. n. Magenteilresektion, hoher Dünndarmileus,…)
sollte der Sellickhandgriff aufgrund seines Risikopotential keine Routineanwendung finden.
Ggf. ist auf eine korrekte Ausführung zu achten. Bei Intubationsschwierigkeiten muss der Krikoiddruck wieder aufgehoben werden.

Quelle: SOP RSI im Erwachsenenalter Klinik für Anästhesiologie am Klinikum Friedrichshafen, mit freundlicher Genehmigung von CA Dr. Dietmar Craß, Dr.Martin Eble, Dr.Markus Pfeiffer 01/2015

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